Der Sound des Verliebtseins

17. Oktober 2013
 

Wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin bei gewissen Telefonaten mit einem Ihnen unbekannten Adressaten plötzlich mit einer ganz anderen Stimme redet, sollten Sie hellhörig werden. Diese Verbindung könnte enger sein, als Ihnen lieb ist! Wenn wir nämlich mit einem Liebhaber sprechen, verändert sich unsere Stimmlage. Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen, wie Psychologen am Albright College in Pennsylvania in einer Studie herausgehört haben.

Sally Farley, Susan Hughes und Jack LaFayette rekrutierten für ihren Versuch 24 Frischverliebte beiderlei Geschlechts. Im Labor wurden sie gebeten, entweder ihren Liebsten beziehungsweise ihre Liebste oder aber einen guten Freund anzurufen und sich kurz zu erkundigen, wie es ihm/ihr geht und was er/sie gerade macht. Die Unterschiede waren kaum überhörbar, wie 80 unabhängige Beurteiler später feststellten. Ihnen wurde jeweils nur ein ganz knapper, inhaltlich unverdächtiger Ausschnitt am Ende des Telefonats vorgespielt, und sie hörten dabei auch nur die Stimme des Anwesenden, nicht die am anderen Ende der Leitung.

Dennoch war den Zuhörern in den meisten Fällen rasch klar, ob da gerade mit einem Freund geplaudert oder mit einem Liebling geturtelt wurde. Selbst bei einem Tonschnipsel von nur zwei Sekunden lagen die Beurteiler überzufällig oft richtig! Sie empfanden die Stimme als besonders angenehm, sexy und eben liebestrunken, sobald die Probanden ihr Herzblatt an der Strippe hatten.

Zusätzlich analysierten die beiden Forscherinnen und ihr Kollege das Klangmuster der Telefongespräche mit einem Spektografen. Dabei fiel ihnen auf, dass sowohl die männlichen als auch die weiblichen Probanden ihre Tonlage an die ihres Darlings anpassten. Die Stimmen der Frauen wurden tiefer, die der Männer höher. Dahinter stecke wohl neben Zuneigung auch ein „Verlangen nach Verbundensein und Intimität“, psychologisieren da die Psychologen. Die Liebenden wollten sich und der Welt signalisieren: Wir sind eins. „Die Leute werden wissen, dass wir verliebt sind“, ist die Studie denn auch überschrieben.

Übrigens: Die Beurteiler glaubten im Sound der Verliebten außer Zuneigung und Hingabe auch noch andere Spurenelemente zu erkennen, nämlich einen Hauch von Stress, Nervosität und Unsicherheit. Die Forscher führen das auf das sehr frühe Stadium dieser Partnerschaften zurück: Liebe macht eben verletzlich. Die Angst, von dem oder der frisch Gewonnenen doch noch zurückgewiesen zu werden, schwingt am Anfang immer mit.

Wie sich die Telefonate der Turteltauben wohl dereinst nach etlichen Ehejahren anhören werden? Und wollen wir das wirklich wissen?

Thomas Saum-Aldehoff

Quelle: Albright College via ScienceDaily
Originalstudie: Sally D. Farley, Susan M. Hughes, Jack N. LaFayette: People will know we are in love: Evidence of differences between vocal samples directed toward lovers and friends. Journal of Nonverbal Behavior, 37/3, 2013. DOI: 10.1007/s10919-013-0151-3
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