Die Bürde der vielen Freunde

13. Juni 2014
 

Die Anzahl der „Freunde“ ist ja so etwas wie eine Währung bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken: Je mehr man vorweisen kann, desto beliebter erscheint man. Das verschafft Status – aber auch eine Menge Stress, wie jetzt Wirtschaftsinformatiker der Universitäten Bamberg und Frankfurt in einer Umfragestudie aufgezeigt haben.

Mit der Zahl der Freunde, so stellten die Forscher um Christian Maier fest, fühlen sich Facebook-Nutzer zunehmend in das Leben und die Probleme von nur flüchtig bekannten oder sogar wildfremden Menschen hineingezogen. Das kann zu einer erheblichen Belastung werden und führt in manchen Fällen sogar dazu, dass man nur noch widerwillig oder selten bei Facebook vorbeschaut oder das soziale Netzwerk sogar ganz aufgibt.

Für ihre Studie führten die vier Wissenschaftler Interviews mit 571 Facebook-Nutzern. Viele von ihnen klagten darüber, dass sie den Pool ihrer Freunde kaum noch bewältigen könnten. Das Problem seien jene Posts oder persönlichen Anfragen, bei denen die Absender eine Antwort oder zumindest eine Sympathiebekundung erwarteten. Diese Mitteilungen seien oft sehr persönlich, emotional und manchmal auch belastend. Beispielsweise schreibt jemand über den Tod eines nahen Angehörigen oder über eine gescheiterte Liebesbeziehung – und wer will schon so hartherzig sein, einen solche Botschaft nicht zu beantworten?

Allerdings antworten die Nutzer dann eher aus Pflichtgefühl, ohne dass es ihnen ein inneres Bedürfnis ist – zumal sie mit wachsender Freundeszahl mit solchen Posts regelrecht überfüttert werden. Denn tatsächlich handelt es sich bei den meisten der vielen gelisteten „Freunde“ ja nur um flüchtige Bekannte, Freundesfreunde oder gar Menschen, denen man im realen Leben noch nie begegnet ist.

Die Folge: Die Unterstützungs-, Rat- und Mitgefühlsgeber fühlen sich zunehmend gestresst und ihrerseits unglücklich, und es wächst der Widerwille, sich überhaupt noch bei dem sozialen Netzwerk einzuloggen. Dies nun wiederum könne auch den Betreibern der Plattform nicht egal sein, meinen die Untersucher. Sie schlagen vor, bei Facebook und anderen Netzwerken halbdurchlässige Mitteilungsfilter einzubauen, um so die Flut der „Freundes“-Botschaften einzudämmen und zu kanalisieren.

Quelle: idw
Originalarbeit
Christian Maier, Sven Laumer, Andreas Eckhardt, Tim Weitzel: Giving too much social support: social overload on social networking sites. European Journal of Information Systems. DOI: 10.1057/ejis.2014.3
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