Die echten Demi Moores und Hugh Hefners

08. Mai 2013
 

Was finden junge Frauen an alten Männern attraktiv? Vor allem ihren Kontostand, so stellt man sich das vor und hat vielleicht den Playboygründer Hugh Hefner vor Augen. Er ist 87. Seine aktuelle Frau ist gerade 27 geworden.

Für Hani Mansour ist das ein Mythos, der wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat. Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler hat Ehestatistiken von 1960 bis 2000 ausgewertet. Sie ergeben ein anderes Bild. Wer mit großem Altersabstand heiratet, verdient meistens verhältnismäßig wenig. Das gilt nicht nur für Männer, die mit einer jüngeren Frau liiert sind. Auch wenn sie älter ist und er jünger, befindet sich – im statistischen Durschnitt – weniger Geld in der Haushaltskasse. Ein Beispiel: Im Zensus von 1980 kamen Männer in solchen Beziehungen auf 3495 Dollar weniger Lohn pro Jahr als Männer, die in einer Beziehung mit einer gleichalten Frau lebten. Mansour definierte einen Altersabstand von mindestens acht Jahren als groß.

Wer einen deutlich jüngeren oder älteren Partner hat, schneidet mit einer größeren Wahrscheinlichkeit auch bei Intelligenztests schlechter ab als Gleichaltrige, hat einen niedrigeren Bildungsstand und wird von anderen eher als unattraktiv eingeschätzt. Zumindest deuten dies die Auswertungen von Mansour, der an der University of Colorado Denver lehrt, an. Mansour glaubt deshalb, dass Hugh Hefner eher eine Ausnahme als die Regel ist.

Auch die Schauspielerin Demi Moore, die lange mit dem knapp 16 Jahre jüngeren Ashton Kutcher verheiratet war, passt nicht ganz ins Raster. Denn Mansour und seine Koautorin Terra McKinnish werteten nur Daten von Paaren aus, die in erster Ehe zusammenlebten. Für Moore war Kutcher der dritte Ehemann.

Mansour und McKinnish verwendeten hauptsächlich Material des statistischen Bundesamts der USA. Dieses bot ihnen Hintergründe zu Partnerschaften, Löhnen und Einkommen. Bildungsabschlüsse waren darin allerdings nur bis 1980 nachzulesen. Zusätzlich werteten sie Angaben aus Längsschnittstudien aus, die unter anderem kognitive Fähigkeiten erhoben und auch Informationen zum äußeren Erscheinungsbild der Teilnehmer enthielten.

Wie erklären sich die Forscher ihre Befunde? Für Mansour und McKinnish spiegeln sie vor allem die Verhältnisse in den USA wider. Sie sagen: Wer einen höheren Bildungsabschluss erwirbt, steckt in der Regel viel Zeit ins Studium. Üblich für diese hochqualifizierten jungen Erwachsenen sind in Amerika Jobs mit guten Aufstiegschancen, etwa in Beratungsfirmen, Banken oder Anwaltskanzleien. Dort treffen sie auf gleichaltrige und ähnlich gut ausgebildete Kollegen. Sie bleiben unter sich und heiraten unter sich. Wer dagegen an einem schlechten College studiert oder nach der Schule gleich einen gering bezahlten Job annimmt, findet sich in einer Berufswelt wieder, in der die Altersstruktur viel gemischter ist. Die Chance, sich dort in einen jüngeren oder älteren Menschen zu verlieben, sei einfach viel größer.

Eine Frage können die amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler mit ihrer statistischen Auswertung natürlich nicht beantworten: Was jüngere Partner an älteren wirklich anziehend finden.

Johannes Künzel

Quelle: Hani Mansour, Terra McKinnish: Who marries differently-aged spouses? Education, occupation, earnings, ability and appearance. The Review of Economics and Statistics, 2013, online vor Print, doi: doi:10.1162/REST_a_00377 (Volltext)

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