Die Gnade der späten Einschulung

02. September 2016
 

Das Einschulungsalter ist in Deutschland in den vergangenen Jahren gesunken. Dabei hat frühes Einschulen nicht nur Vorteile, wie eine aktuelle Studie von Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern der Universität Hamburg zeigt. Sie stellten fest: Je früher ein Kind eingeschult wurde, desto ungesünder lebte es später als Erwachsener.

Die Forscher haben für ihre Untersuchung die Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) ausgewertet, in dessen Rahmen seit mehr als drei Jahrzehnten regelmäßig etwa 11.000 deutsche Haushalte unter anderem zu Bildung und Gesundheit befragt werden. Darunter waren viele, die zu Beginn der Befragung noch Kinder waren und als Erwachsene weiterhin für die Umfragen zur Verfügung standen.

Ihre Angaben zeigten: Mit jedem Monat, den jemand später eingeschult wurde, sank dessen Risiko, irgendwann auf seinem weiteren Lebensweg mit dem Rauchen zu beginnen, um 1,3 Prozentpunkte. Zugleich stieg die Wahrscheinlichkeit, dass der Betreffende später über besseres Wohlbefinden berichtete, um 1,7 Prozentpunkte. Wer ein Schuljahr später eingeschult wurde, war demnach seltener im Erwachsenenalter Raucher und beschrieb sich als generell gesünder.

Die Berechnungen der Forscher rücken vor allem eine mögliche Ursache in den Fokus: die Schulfreunde. Im Jugendalter nimmt die Zahl der Raucher von Jahr zu Jahr stark zu. Mit zehn Jahren raucht statistisch noch niemand, mit 16 Jahren schon vier von zehn Schülern. Wer als jüngeres Kind zur Schule kommt, ist folglich früher mit älteren, schon rauchenden Klassenkameraden konfrontiert – sowie mit der Verlockung mitzumachen.

Jana Hauschild

Zur Studie:
www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/17/diw_01.c.532627.de/38_soep2016_s14_abstract_bahrs_schumann.pdf
 
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