Diät? Morgen wieder!

08. September 2016
 

Disziplin, bitte! Diäten funktionieren nur, wenn wir die Kohlenhydrate wirklich jeden Tag weglassen. Sobald wir unser großes Ziel nicht mehr mit der allergrößten Hingabe verfolgen, können wir es auch gleich bleiben lassen. So oder so ähnlich sehen das viele Menschen, wie frühere Studien gezeigt haben.

Damit machen wir uns das Leben unnötig schwer, meinen Wirtschaftswissenschaftler um Rita Coelho do Vale von der Katholischen Universität in Lissabon. Denn zu hohe Ansprüche an uns selbst führen nicht nur zu einem freudlosen Leben – sie verringern auch die Wahrscheinlichkeit, unsere Ziele tatsächlich zu erreichen. Sehr viel besser funktioniere es, gezielte Auszeiten einzuplanen. Beispielsweise gelten dann die strengen Diätvorschriften an einem Tag der Woche ganz bewusst nicht.

In einem ersten Test zeigten die Forscher, dass solche Auszeiten zumindest theoretisch helfen. Dabei stellten sich 59 Studenten in einem Rollenspiel vor, sie seien auf Diät. Die Hälfte von ihnen verzichtete Tag für Tag auf Kalorien; die anderen Teilnehmer kalkulierten einen Schlemmertag pro Woche ein. Die Probanden in der zweiten Gruppe glaubten, ihr Ziel mit mehr Selbstkontrolle und Zuversicht angehen zu können als die anderen Versuchspersonen.

Auszeiten helfen beim Durchhalten

Doch Gedankenspiele sind nicht die Wirklichkeit. Deshalb testeten Coelho do Vale und ihre Mitstreiter ihren Ansatz auch mit 36 Freiwilligen, die tatsächlich abnehmen wollten. Während die eine Hälfte eine strenge Diät befolgte, freuten sich die anderen über eine sündige Auszeit pro Woche. Nach 14 Tagen war in beiden Gruppen der Erfolg ähnlich. Doch diejenigen, die ab und zu geschlemmt hatten, empfanden den ganzen Vorgang als angenehmer. Und vor allem hatten sie subjektiv stärker den Eindruck, ihre Gelüste im Griff zu haben. Eine hohe Selbstkontrolle ist wichtig, um beispielsweise nach einem stressigen Arbeitstag den spontanen Griff zur Chipstüte zu unterbinden.

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist es deshalb entscheidend, langfristige Ziele nicht verkrampft anzugehen, sondern mit genügend Flexibilität zu planen.  JK/AB

Quelle:
Rita Coelho do Vale, Rik Pieters, Marcel Zeelenberg: The benefits of behaving badly on occasion: Successful regulation by planned hedonic deviations. Journal of Consumer Psychology, 26/1, 2016, 17–28. DOI: 10.1016/j.jcps.2015.05.001 (Abstract)

 

Dieser Beitrag ist in der aktuellen September-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema: Ich und glücklich? Warum wir unserer Zufriedenheit oft selbst im Wege stehen

 

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