Die Mamas und die Papas

14. August 2009
 

Regenbogenfamilien: für Kinder kein Problem

In Deutschland wachsen rund 7300 Kinder bei schwulen und lesbischen Paaren auf. Und dies ist für sie nicht – wie oft angenommen – grundsätzlich problematisch. Im Gegenteil: Wie eine Studie der Universität Bamberg zeigt, kommen die Regenbogenkinder sehr gut mit ihrer Situation zurecht. An der Untersuchung nahmen über 1000 Mütter und Väter aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften teil. In 93 Prozent aller Fälle bestand das Elternpaar aus lesbischen Frauen. Der größte Teil der Befragten lebte in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft zusammen, im Durchschnitt existierte der gemeinsame Haushalt seit siebeneinhalb Jahren.

Die Kinder schienen also in soliden sozialen Verhältnissen aufzuwachsen. Ihre Eltern waren zudem überdurchschnittlich gebildet und in höherem Maße als heterosexuelle Paare erwerbstätig. Dies allerdings häufiger in Teilzeit, was unter anderem mit dem hohen Frauenanteil zusammenhing. Die finanzielle Situation war in den meisten Familien gut, aufgrund der Teilzeitjobs wurden jedoch selten sehr hohe Einkommen erzielt.

Zwei Drittel der Eltern hatten nur ein Kind, mehr als zwei Kinder waren die Ausnahme. Vier von zehn Paare gaben jedoch an, dass es nicht beim Einzelkind bleiben solle. So überlegten einige, welcher Weg der beste sei, um die Familie zu vergrößern. Die lesbischen Paare sahen hier mehr Spielräume, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen, zum Beispiel durch Samenspende.

Die Mehrheit der Kinder (46 Prozent) stammte aus einer früheren heterosexuellen Beziehung, acht Prozent lebten als Adoptiv- oder Pflegekind in der Regenbogenfamilie. Immerhin 42 Prozent der Kinder wurden in die Beziehung ihrer Eltern hineingeboren. Dabei handelte es sich oft um Wunschkinder, die durch eine Samenspende gezeugt worden waren. Die Rolle der Väter war sehr unterschiedlich: Teils waren sie nicht bekannt, teils aber auch aktive Elternteile, die an der Erziehung und Entwicklung der Kleinen Anteil nahmen.

Hier wird ein grundlegendes Problem dieser Familienkonstellation deutlich: Wie kann es gelingen, die Rolle des sozialen Elternteils in der Familie zu festigen und dem Kind gleichzeitig den Kontakt zu seinem biologischen Vater zu ermöglichen? Oder sogar eine Vater-Kind-Beziehung aufzubauen? Der Versuch, allen Interessen gerecht zu werden, gleicht für die Befragten oftmals einem Balanceakt.

Gut für die Regenbogenkids ist jedoch: Sie haben in der Regel sehr engagierte Eltern. Die Paare schilderten ihre Beziehung überaus positiv und teilten Verantwortung und häusliche Aufgaben weitgehend gleichmäßig unter sich auf. Alles in allem kamen die Kinder bestens mit ihrer Situation zurecht. Belastend wird es erst, wenn das Umfeld intolerant ist. Quelle: idw

Diesen Artikel:

Neu im Shop

Sex@mour - Jean-Claude Kaufmann

Jean-Claude Kaufmann und Eva Illouz beleuchten den Wandel unseres Liebeslebens. Uneins sind sie in der Frage, ob wir in Zeiten des Internets eine neue Ethik brauchen.

19,99 €inkl. 7% MwSt.
Anzeige
Anzeige

Aboservice

Jahres-, Studenten- oder Geschenkabo: Sie wählen Ihr Abonnement – wir bieten interessante Prämien! Zum Abo-Shop.