Lenk dich nicht ab!

10. November 2016
 

Der moderne Büromensch hat mit allerlei Widerständen zu kämpfen. Er will ja arbeiten, doch dann sind da noch die E-Mails, Facebook und andere soziale Medien, die geprüft werden wollen, immer wieder klingelt das Telefon, und wenn man eigentlich wirklich durchziehen möchte, kommt der Kollege zum Plausch vorbei. Das alles kostet Zeit und lenkt uns von unseren Aufgaben ab. Ioanna Katidioti und andere Forscher von der niederländischen Universität Groningen haben nun Überraschendes herausgefunden: Die größeren Zeitfresser sind nicht die Unterbrechungen durch andere, sondern die, die wir selbst initiieren.

Nicht die Kollegen sind schuld

Im Unterschied zu einer Störung von außen verlangen diese Pausen von uns demnach eine Entscheidung, welchem Reiz wir uns zuwenden, und das kostet Zeit und Energie. So wurde an Testpersonen in Zeiten eher geringer Arbeitslast vor einer selbst gewählten Unterbrechung eine höhere Erweiterung der Pupillen festgestellt, als es bei Störungen durch Fremde der Fall war – ein Zeichen geistiger Anstrengung. Auch arbeiteten die Probanden, die sich selbst unterbrachen, insgesamt langsamer.

Um seine Zeitfresser in den Griff zu bekommen, rät Katidioti: „Schreiben Sie erst den angefangenen Satz zu Ende, ehe Sie die E-Mails checken. Und suchen Sie den richtigen Moment für eine Pause.“ Auch eine App, die das Internet für eine gewisse selbst gesetzte Zeit blockiert, könne helfen, der Versuchung zu widerstehen.

Katharina Wetzel/AB

 

Ioanna Katidioti u. a.: Interrupt me: External interruptions are less disruptive than self-interruptions. Computers in Human Behavior, 63, 2016, 906–915. DOI: 10.1016/j.chb.2016.06.037

 

Dieser Beitrag ist in der aktuellen Dezember-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema: Heimat finden. Ein Zuhause schaffen, Wurzeln schlagen, sich zugehörig fühlen

 

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