E-Mails im Sommerurlaub

13. Juli 2010
 

Warum abschalten so schwierig ist

Man würde ja vielleicht etwas verpassen – eine wichtige Nachricht vom Chef, einen neuen Auftrag oder einfach nur Kollegenklatsch. Viele können nicht in Urlaub fahren, ohne sich über die E-Mails in ihrem Posteingang Gedanken zu machen. Und so prüfen sie zwischen Strand und Pool immer wieder die Nachrichten aus dem Büro. Das führt dann allerdings nicht selten zu Ärger mit dem Partner oder der Familie.

Die meisten haben sich daran gewöhnt, bei der Arbeit und zu Hause von Computern umgeben zu sein. Mit den neuen internetfähigen Handys, den Smartphones, lassen sich E-Mails sogar unterwegs abrufen – auch im Urlaub. Das mache es schwer, in der schönsten Zeit des Jahres plötzlich ganz darauf zu verzichten, erklärt Kate Muller, Psychologin am Montefiore Medical Center in New York.

Der Impuls, im Posteingang nach neuen Nachrichten zu schauen, beruht auf dem psychologischen Prinzip der variablen Verstärkung. Demnach ist ein Verhalten besonders hartnäckig, wenn es nur unregelmäßig belohnt wird. Da bloß ein Teil der E-Mails interessant ist, wird der Drang, immer wieder nachzuschauen, stärker. „Es ist sehr schwierig, den Posteingang zu ignorieren, weil die wichtigen E-Mails unregelmäßig ankommen“, sagt der Psychologe Brian Uzzi von der Northwestern University.

Das Handy ganz zu Hause zu lassen und sich das Abrufen der E-Mails unter größter Anstrengung zu verkneifen, sei jedoch nicht die Lösung, sagen Experten. Das führe nur zu dauernder Anspannung und ständiger Angst, etwas Wichtiges zu verpassen. Deshalb empfiehlt Brian Uzzi, mit dem Partner oder der Familie genaue Zeiten festzulegen, an denen E-Mails gelesen werden dürfen, beispielsweise nach dem Mittagessen und vor dem Zubettgehen.

Damit der erste Urlaubstag mit solch eingeschränktem E-Mail-Konsum sich nicht wie ein Entzug anfühlt, rät Psychologin Kate Muller, sich in Ruhe auf die freie Zeit einzustellen. „Lassen Sie die letzten Stunden im Büro langsam angehen. So wird der Übergang zwischen Arbeit und Urlaub besser spürbar. Viele tun sich schwer damit, plötzlich von hektischer Betriebsamkeit auf totale Entspannung umzuschalten.“

Von Anke Römer Quelle: CNN

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