„Ein Euro für dich, zwei für mich“

11. Juli 2011
 

Neue Laufschuhe oder eine neue Handtasche? Fürs Haus sparen oder in den Urlaub fliegen? Die meisten deutschen Paare verwalten ihr Haushaltseinkommen auf einem gemeinsamen Konto. Bisher gingen Ökonomen davon aus, dass beide Partner auch gleichermaßen davon profitieren. „Diese Annahme ist nicht richtig“, sagt die Bamberger Sozialwissenschaftlerin Susanne Elsas. „Wer mehr einzahlt, zieht auch den größeren Nutzen aus dem gemeinsamen Einkommen.“

Das ist das Ergebnis ihrer kürzlich veröffentlichten Studie auf Basis von Daten der Langzeiterhebung „Sozio-oekonomisches Panel“ (SOEP). Elsas hatte untersucht, wie Paare ihr Einkommen teilen.

Rund zwei Drittel der befragten Paare (68 Prozent) hatten ein gemeinsames Konto, über das beide Partner gleichermaßen verfügen konnten. Trotzdem zeigte sich ein Ungleichgewicht: Verglichen mit ihrem jeweiligen Partner waren die Befragten umso zufriedener mit dem Haushaltseinkommen, je größer ihr Beitrag dazu war.

„Offenbar wird die Verwendung des Einkommens den Präferenzen des besser verdienenden Partners angepasst“, sagt Susanne Elsas. Die Vermutung der Sozialwissenschaftlerin: „Zwischen den Partnern gilt möglicherweise die stillschweigende Übereinkunft, dass derjenige, der mehr Geld zum Haushaltseinkommen beiträgt, auch weiter reichende Rechte daran hat.“

Getrennte Konten hatte nur knapp jedes fünfte der befragten Paare (17 Prozent). In weniger als jeder zehnten Beziehung (acht Prozent) legten die Partner nur Teile ihrer Einkommen zusammen. Allerdings hat auch das patriarchalische Modell mittlerweile ausgedient: Nur bei sieben Prozent der befragten Paare verwaltete der eine Partner das ganze Geld und teilte dem anderen seinen Anteil zu.

Für ihre Untersuchung hatte die Sozialwissenschaftlerin Susanne Elsas zwischen 1999 und 2008 erhobene Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet. Insgesamt flossen Daten von 5842 Paaren in die Studie ein. Für das SOEP befragen jedes Jahr etwa 600 Interviewer mehr als 20.000 Menschen in rund 11.000 Haushalten. Die so erhobenen Daten geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit.

Quelle: idw
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