Eine Mutter am Herd macht noch kein schlaues Kind
Ob Mütter für zwei Monate oder für drei Jahre nach der Geburt zu Hause bleiben, spielt kaum eine Rolle für den späteren schulischen und beruflichen Erfolg der Kinder. Das haben Wissenschaftler in einer Untersuchung der vergangenen Reformen des Erziehungsurlaubs herausgefunden.
Seit Ende der 1970er Jahre wurde die Dauer des gesetzlich zugesicherten Erziehungsurlaubs in Deutschland in drei großen Reformen immer weiter ausgedehnt. 1979 fand die erste Verlängerung statt, in der die bezahlte Elternzeit von zwei auf sechs Monate nach der Geburt angehoben wurde. 1986 wurden Müttern dann zehn statt sechs Monate Erziehungsurlaub zugebilligt. Später wurde diese Zeit schrittweise auf 18 Monate erhöht, bis sie schließlich 1992 auf 36 Monate erweitert wurde.
Christian Dustmann und Uta Schönberg vom Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn haben nun die Auswirkungen dieser drei Reformen auf den schulischen und beruflichen Erfolg der davon betroffenen Kinder überprüft. Dazu nutzten sie die Daten von Jungen und Mädchen, die jeweils kurz vor oder nach einer dieser Reformen geboren worden waren.
Ihre Ergebnisse sind eindeutig: Keine der Reformen brachte für die Kinder Vorteile in einer der betrachteten Aspekte der schulischen und beruflichen Entwicklung. So ergab sich kein messbarer Zusammenhang zwischen der Verlängerung der Elternzeit von zwei auf sechs Monate im Jahr 1979 und der Wahrscheinlichkeit eines Hochschulabschlusses oder der Erzielung eines höheren Einkommens seitens der Kinder.
Nach der Ausdehnung der Elternzeit von sechs auf zehn Monate im Jahr 1986 stieg die Wahrscheinlichkeit, die Schullaufbahn mit einem Abitur zu beenden, um maximal 0,8 Prozent. Genauso änderte sich die Wahl der weiterführenden Schule (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) nach der Verdoppelung des Erziehungsurlaubs auf 36 Monate im Jahr 1992 nur marginal: Der Anteil der Gymnasiasten wuchs dadurch um höchstens 0,1 Prozent.
Neben der Gesundheit der Mütter sei allerdings auch das Wohlergehen der Kinder – wozu auch der schulische und berufliche Erfolg zählen – ein Grund für die Einführung der jeweiligen Reformen gewesen, betonen die Forscher. Dieser Effekt sei offensichtlich nicht eingetreten. „Unter dem Gesichtspunkt der langfristigen Erfolgschancen von Kindern spricht wenig dafür, in Deutschland eine weitere Ausdehnung der Elternzeit anzustreben“, schließt denn auch Christian Dustmann.
Die Forscher weisen auch auf die möglichen negativen Folgen einer Verlängerung des Erziehungsurlaubs hin: So müssten die Eltern zumindest zeitweise ein niedrigeres Familieneinkommen aufgrund des Verdienstausfalles der Mutter hinnehmen. Etliche Studien haben in der Vergangenheit nachgewiesen, dass die kognitive Entwicklung der Kinder auch von der Höhe des Familieneinkommens abhängig ist.
Von Anke Römer Quelle: idw
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