Endlich wieder gut schlafen!

07. Juli 2017
 

Um den Schlaf der Deutschen ist es nicht gut bestellt. Laut einer aktuellen DAK-Studie klagen 80 Prozent der Erwerbstätigen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren über häufige Ein- und Durchschlafprobleme. Das sind zwei Drittel mehr als vor sieben Jahren. Jeder zehnte Arbeitnehmer leidet sogar an einer Insomnie, also einer echten, chronischen Schlafstörung. Die Zahl derer, die Schlafmittel nehmen, hat sich seit 2010 fast verdoppelt. Für die Studie wurden die Daten von 2,6 Millionen Versicherten analysiert sowie 5200 repräsentativ ausgewählte Frauen und Männer befragt. (1)

Die Hauptursache für den verschlechterten Schlaf vermuten die Untersucher in dem wachsenden Arbeitsstress: Termin- und Leistungsdruck, Überstunden, ständige Erreichbarkeit. Jeder Achte checkt spätabends noch E-Mails oder plant den nächsten Arbeitstag. Wer soll da abschalten? Doch auch wer abends ganz entspannt und privat am Smartphone oder Laptop daddelt, stört seinen Schlaf: Das helle Licht des Monitors verstellt die innere Uhr.

Daddeln bis tief in die Nacht

Darin sehen Mathematiker und Schlafmediziner der Universitäten von Surrey und Harvard auch den Auslöser für den oft beklagten Schlafmangel vieler Teenager. Den morgendlichen Schulbeginn nach hinten zu verschieben, wie immer wieder gefordert, halten die Forscher für keine nachhaltige Lösung: Die Jugendlichen würden sich – ähnlich wie bei der Zeitumstellung im Herbst – binnen kurzer Zeit an den vorschobenen Rhythmus anpassen und noch später ins Bett gehen. Laut den Forschern hilft da nur eins: Abends früher die Bildschirme und das Licht ausschalten. (2)

Denn: Chronischer Schlafmangel bewirkt Ernsthafteres als bloß ein Gefühl von Schläfrigkeit. Abgesehen von den physiologischen Schäden leiden Gedächtnis und Konzentration, man wird zudem gereizter und depressiver. Eine weitere Folge von Schlafentzug haben jetzt Forscher der Universität von Arizona nachgewiesen: Schläfrige Teilnehmer konnten den Gesichtsausdruck auf Fotos nicht mehr so gut deuten wie ausgeruhte Probanden. Vor allem konnten sie glückliche und traurige Gesichter nicht mehr so gut erkennen. Wut, Angst, Überraschung und Ekel hingegen nahmen auch die Müden wahr – auf solche Gefahrensignale hat uns offenbar die Evolution geeicht. (3)

Fast wie sechs Richtige

Guter Schlaf ist eine Wohltat, wie alle bezeugen können, die ihn vermissen – oder wiedergewonnen haben. Die britische Psychologin Nicole Tang analysierte mit ihrem Team an der Universität Warwick über vier Jahre hinweg die Schlafmuster von 30.500 Teilnehmern. (4) Bei denjenigen, bei denen sich die Schlafqualität deutlich verbessert hatte, stieg das psychische und körperliche Wohlbefinden ähnlich wie nach einem Lottogewinn von gut 200.000 Euro.

Thomas Saum-Aldehoff

 

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