Enkelkinder schweißen Familien zusammen

30. Dezember 2009
 

Wenn Kinder erwachsen werden, nabeln sie sich immer mehr von ihren Eltern ab, bis sie schließlich ausziehen und einen eigenen Haushalt gründen. Doch sobald das erste Enkelkind da ist, wird die Beziehung zwischen Eltern und Kindern wieder intensiver. Dies ergab eine Studie der Universität Utrecht.

Der Forscher Freek Bucx hat die Daten von über 1000 Niederländerinnen und Niederländern ausgewertet, die für eine großangelegte Studie über familiäre Bindungen erhoben worden waren. Er wollte wissen, wie sich die Beziehung zwischen Eltern und Kindern in der sogenannten „mittleren Phase“ entwickelt, also wenn die Kinder zwischen 18 und 35 Jahre und die Eltern zwischen 50 und 75 Jahre alt sind.

Insgesamt stellte sich die Beziehung in dieser Lebensspanne als sehr eng heraus. Kinder blieben zum Beispiel häufig in der Nähe ihrer Eltern wohnen. Aber es gebe auch Zeiten, in denen die Bindung weniger eng sei, so Bucx: Nämlich dann, wenn die Kinder ausziehen und einen eigenen Haushalt gründen – und wesentlich mehr Zeit mit der Freundin oder dem Freund verbringen als mit den Eltern. Der Kontakt lässt nach, es gibt weniger gegenseitige Unterstützung, und die Vorstellungen von Familienleben und -zusammenhalt gehen immer weiter auseinander.

Doch was die Beziehung zwischen Eltern und Kindern am meisten beeinträchtigt, ist ein schlechtes Verhältnis zwischen dem Partner oder der Partnerin des Kindes und den Schwiegereltern. Wenn die Partner nicht gut mit ihren Schwiegereltern auskommen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Kinder ihre Eltern seltener sehen.

Glücklicherweise, so Bucx, ende diese schwierige Situation aber oft wieder – wenn das junge Paar selbst Nachwuchs bekommt. Sobald Enkelkinder da waren, wurde die Beziehung zwischen den teilnehmenden Eltern und Kindern seiner Studie wieder enger. Der Kontakt nahm deutlich zu, nicht zuletzt weil Oma und Opa bei der Betreuung ihres Enkelkindes halfen.

Aber die Annäherung zwischen Eltern und Kindern ist nicht nur eine Frage des Kontaktes: Auch die Ähnlichkeiten zwischen ihnen werden größer. Das möchten manche zwar nicht gerne hören, aber mit der Geburt des ersten Kindes entwickeln viele junge Erwachsene Meinungen, die denen der Eltern entsprechen, zum Beispiel über Ehe, Scheidung und die Verteilung der Haushaltspflichten. Ein Wermutstropfen bleibt aber: Mit dem Alter nimmt die emotionale Distanz zwischen Eltern und Kindern zu.

Von Anke Römer

Quelle: ScienceDaily

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