Familien brauchen Ferien

20. März 2008
 

Es ist paradox: Gerade diejenigen, die einen Urlaub besonders nötig hätten, können ihn sich nicht leisten oder sind aus anderen sozialen Gründen an ihren Wohnort gebunden. Ein Forschungsteam der Universität von Nottingham um Scott McCabe hat jetzt aufgezeigt, wie sehr gerade benachteiligte Familien von einer Auszeit vom Alltag profitieren.

Die englischen Tourismusforscher interviewten Familien, die eine Ferienreise aus eigener Kraft nicht hätten bewerkstelligen können: weil sie das Geld nicht aufbringen konnten, weil sie ein behindertes Kind oder Angehörige zu versorgen hatten oder weil sie schlicht keine Transportmöglichkeit hatten. Hilforganisationen wie die „Family Holiday Association“ oder der Jugendherbergsverband hatten den befragten Familien jedoch den Traum vom Urlaub in der Ferne möglich gemacht.

Die Beschenkten genossen ihre Ferien. Wie McCabe und seine Mitforscher feststellten, tat die Auszeit den Beschenkten gleich in viererlei Hinsicht gut:

– Sie hatten endlich Zeit füreinander und fühlten sich als richtige Familie. Viele hatten daheim, in der Hektik des Arbeitsalltags, wenig Gelegenheit und Muße, wirklich freie, unverplante Stunden miteinander zu verbringen. Die gemeinsamen Ferien stärkten ihre Familienbande.

– Sie konnten „die Batterien aufladen“. Manche der Reisenden hatten psychische oder physische Gesundheitsprobleme. Andere kamen aus Problemvierteln und lebten in ständigem Streit mit der Nachbarschaft. Erst als die vielen täglichen Probleme außer Sichtweite kamen, waren die Familien wirklich in der Lage, abzuschalten, sich von den Alltagsroutinen freizumachen – und zu entspannen.

– In der Fremde hatten Eltern und Kinder die für sie kostbare, weil seltene Gelegenheit, etwas Neues und anderes zu erleben. Sie waren fasziniert und belebt von den unvertrauten Anblicken, Geräuschen, Gerüchen und Erfahrungen.

– Sie sammelten Erinnerungen, die es festzuhalten lohnte. Mehr als 80 Prozent der Befragten gaben an, das größte mit den Ferien verbundene Geschenk sei gewesen, dass die Kinder eine glückliche Zeit hatten, an die sie ihr ganzes Leben lang gern würden zurückdenken würden. Tatsächlich haben Urlaubserlebnisse aus der Kindheit einen starken Stellenwert im Erinnerungsschatz von Erwachsenen.

Die Tatsache, dass Ferien solch eine enorme Bedeutung für den Seelenhaushalt haben, wirft für Scott McCabe die Frage auf, ob Reisen ein Privileg oder nicht vielmehr eine Art Menschenrecht ist. Er verweist auf die Praxis in Frankreich, wo Arbeitgeber und auch der Staat geldwerte Gutscheine ausgeben, die ausschließlich in Urlaubsreisen angelegt werden können.

Quelle: University of Nottingham

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