Fiese Chefs schädigen das Herz

29. November 2008
 

Rücksichtslose Chefs verbreiten nicht nur Stress bei der Arbeit, sie erhöhen auch das Herzinfarktrisiko ihrer Mitarbeiter. Das ergab eine schwedische Studie an über 3000 männlichen Angestellten. Fast zehn Jahre lang erfassten Wissenschaftler des Karolinska-Institutes und der Universität Stockholm die Herzgesundheit ihrer Probanden. Diese waren zur Zeit der Untersuchung zwischen 19 und 70 Jahre alt und arbeiteten im Gebiet von Stockholm.

Alle Teilnehmer sollten den Führungsstil ihrer Vorgesetzten beurteilen und unter anderem angeben, wie gut ihr Chef oder ihre Chefin ihnen Ziele vorgeben und wie gut er oder sie kommunizieren und Feedback geben konnte.

Während der Untersuchung erlitten 74 der Teilnehmer einen Herzinfarkt oder eine akute Angina pectoris, manche von ihnen starben daran. Beide Krankheiten entstehen durch eine Verengung oder einen Verschluss der Herzkranzgefäße.

Diejenigen, die ihren Chefs die schlechteste Führungsqualität bescheinigt hatten, wiesen ein um 25 Prozent erhöhtes Risiko für eine ernste Herzkrankheit auf. Je länger sie unter ihrem Chef zu leiden hatten, desto stärker war allerdings auch das Herz gefährdet: Bei denjenigen, die länger als vier Jahre für dieselbe Firma gearbeitet hatten, war das Risiko sogar um 65 Prozent erhöht. Diese Zahlen gelten unabhängig von anderen Einflüssen wie etwa der Arbeitsbelastung oder körperlichen Risikofaktoren wie Diabetes.

Ein mieser Boss kann also krank machen. Worin genau der Zusammenhang besteht, ist allerdings unklar. Eine Vermutung: Wer sich bei der Arbeit nicht wertgeschätzt und unterstützt fühlt, ist schneller gestresst – und verfällt in ungesunde Verhaltensweisen, die allesamt nicht gut fürs Herz sind: Man raucht mehr, trinkt mehr Alkohol, ernährt sich ungesünder und treibt weniger Sport. Früheren Studien zufolge kann ein unfairer Chef auch den Blutdruck seiner Mitarbeiter nach oben treiben – was ebenso das Risiko einer Herzkrankheit steigert.

Die Forscher raten Vorgesetzten, ihren Mitarbeitern klare Ziele vorzugeben und sie je nach Position mit so vielen Befugnissen und Gestaltungsmöglichkeiten wie möglich auszustatten. Und die gestressten Mitarbeiter? Die können mit viel Sport gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: erstens den aufgebauten Dampf ablassen und zweitens etwas für ihr Herz tun.

Von Anke Römer Quelle: BBC

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