Firmentreue behindert die Karriere

30. Januar 2009
 

Viele Mitarbeiter fühlen sich ihrem Unternehmen verbunden und bleiben ihm auch in schlechten Zeiten treu. Damit verbauen sie sich jedoch ihre Karrieremöglichkeiten und verringern ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie der Ruhr-Universität Bochum. Die Organisationsmanagerin Monika Küpper befragte qualifizierte Fach- und Führungskräfte – sogenannte Wissensarbeiter – eines familiengeführten Industrieunternehmens. Dessen Organisation und Struktur hatten sich in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem durch Arbeitsplatzabbau tiefgreifend verändert.

Eigentlich hätte sich dadurch auch die Bindung der Mitarbeiter an ihren Arbeitgeber verändern müssen, der sogenannte psychologische Vertrag: von der langfristigen Bindung zur kurzfristigen Beschäftigung, vom „Normalarbeitnehmer“ zum flexiblen „Arbeitskraftunternehmer“, der einer Firma nur für einen begrenzten Zeitraum seine Arbeitskraft zur Verfügung stellt.

Die Ergebnisse der Befragung allerdings zeigen, dass die Treue zum Unternehmen in der Gruppe der Wissensarbeiter sehr stark ausgeprägt ist. Sie leben trotz des organisatorischen Wandels in scheinbar stabilen Arbeitswelten, haben viel Verantwortung und ein sicheres Einkommen. Die Kehrseite der Medaille: Mitarbeiter ohne Führungsaufgabe sehen zum Beispiel keine Notwendigkeit, sich weiterqualifizieren zu müssen. Sie erledigen ihre Arbeit unbehelligt von Vorgesetzteneingriffen überwiegend selbstgesteuert.

Verlieren diese Angestellten ihren Job, wird es für sie umso schwerer, sich wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Denn durch das jahrelange Verharren im selben Unternehmen haben sie ihre sogenannte Employability, ihre Beschäftigungsfähigkeit verringert. Sie beschreibt, inwieweit die Merkmale des Arbeitnehmers mit den Anforderungen der Arbeitswelt übereinstimmen. „Employability ist in der Tat ein Fremdwort für die Mehrzahl der Befragten“, bemerkt Küpper.

Dabei ist die Verbundenheit mit dem Unternehmen (Englisch: commitment) weder bei älteren noch bei jüngeren Arbeitnehmern besonders gefühlsbetont: Bei älteren Fach- und Führungskräften hat sie sich im Laufe der langen Betriebszugehörigkeit in ein „kalkulatives Commitment mit emotionalen Zügen gewandelt“, so Küpper. „Der Mangel an Alternativen wird ergänzt durch eine dankbare Verbundenheit.“ Die Angestellten sind zum „getreuen Eckart“ ihres Arbeitgebers geworden.

Auch das Commitment jüngerer Befragter ist berechnend, jedoch anders motiviert. Sie sind loyal und gebremst begeistert, beobachten und wägen Vor- und Nachteile ab. Eine Verbundenheit mit dem Unternehmen ist aufgrund der kurzen Betriebszugehörigkeit noch nicht entstanden, die Beziehung folgt rationalen Abwägungen.

Mittlerweile sei Arbeitsplatzunsicherheit Teil der Erwartungen geworden, so Küpper. „Obwohl der traditionelle psychologische Vertrag mit den Werten Arbeitsplatzsicherheit und Loyalität in seiner reinen Form nicht mehr dominiert, kann eine durchgängige Veränderung des Vertrages zu einer neuen Form nicht festgestellt werden.“

Von Anke Römer Quelle: idw

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