Frauen wollen gebundene Männer
Was viele bereits vermuteten, wurde jetzt wissenschaftlich bestätigt: Alleinstehende Frauen sind weitaus mehr an gebundenen Männern interessiert als an solchen, die noch zu haben sind.
„Unsere weiblichen Singles mochten die Männer besonders gern, wenn diese vergeben waren“, sagt Melissa Burkley von der Oklohoma State University. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Jessica Parker hat sie eine Studie durchgeführt, in der sie den Einfluss des Beziehungsstatus auf die Partnerwahl untersuchte.
184 Studentinnen und Studenten nahmen an dem Experiment teil. Jeweils die Hälfte von ihnen lebte in einer Beziehung, die andere Hälfte war Single. Allen teilten die Psychologinnen mit, bei dem Versuch gehe es um sexuelle Attraktivität; am Ende werde ein Computerprogramm aus einer Datenbank den für sie idealen Partner ermitteln.
Was die Probanden nicht wussten: Die vermeintlichen Traumpartner waren fiktive Personen, deren Eigenschaften genau auf die Interessen eines jeden zugeschnitten worden waren. Die Fotos von Mr und Mrs Right waren jeweils die gleichen für alle männlichen beziehungsweise weiblichen Versuchspersonen. Der Hälfte der Probanden erzählten die Forscherinnen, ihr Idealpartner sei solo, der anderen Hälfte sagten sie, er oder sie sei bereits vergeben.
Und das machte den kleinen, aber feinen Unterschied aus – vor allem bei den Singlefrauen: Bekamen sie einen alleinstehenden Mann präsentiert, zeigten sich 59 Prozent von ihnen an einer Beziehung interessiert. War der vermeintliche Traummann aber gebunden, stieg der Anteil der Interessentinnen auf 90 Prozent.
Gebundene weibliche Versuchspersonen hingegen zeigten von allen Versuchspersonen am wenigsten Interesse. Und wenn, dann fühlten sie sich etwas mehr zu Singlemännern hingezogen. Insgesamt brannten die männlichen Probanden am meisten darauf, es mit der neuen Partnerin zu versuchen. Ob diese vergeben war oder nicht, spielte für sie keine Rolle.
Warum Singlefrauen es vor allem auf gebundene Männer abgesehen haben, darüber können die Wissenschaftlerinnen bislang nur spekulieren. Die Tatsache, dass der Mann bereits in einer Beziehung lebt, könnte ihm in gewisser Weise ein „Gütesiegel“ verleihen, vermuten sie. Eine andere Frau habe ihn quasi „getestet“ und als beziehungstauglich befunden. Laut Burkley und Parker können ähnliche Strategien des Partnerausspannens auch im Tierreich beobachtet werden, zum Beispiel bei Vögeln und Fischen.
Eine andere Erklärung wäre, dass heranwachsende Mädchen in den USA – und durchaus auch bei uns – lernen, ihre Geschlechtsgenossinnen als Konkurrenz zu betrachten. Einer Frau den Mann auszuspannen, würde somit einen Erfolg bedeuten und das Selbstwertgefühl steigern.
Von Anke Römer
Quelle: New Scientist
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