Freunde sind wichtiger als Familie

05. Oktober 2017
 

Gute Freundschaften fördern das Wohlbefinden (Foto: Photocase)

Beziehungen zu anderen tun uns gut. Eine Analyse von Daten aus den USA zeigt nun: Freundschaften scheinen uns noch stärker zu beeinflussen als familiäre Verbindungen – nicht immer nur im Positiven.

Wer gute Beziehungen zu Familie und Freunden pflegt, dem geht es gesundheitlich besser. Das haben Studien immer wieder nahegelegt. Dabei spielen Freunde offenbar eine viel wichtigere Rolle als unsere Verwandten, und zwar umso mehr, je älter wir werden. Das zeigte nun ein Forschungsprojekt aus den USA. Der Psychologe William Chopik hat dafür die Daten aus drei umfassenden Erhebungen ausgewertet.

In der ersten Untersuchung wurden mehr als 270.000 Menschen aus 97 Ländern gefragt, wie wichtig ihnen die Familie sowie Freunde sind und wie es ihnen gesundheitlich geht. Bei den Beteiligten, die zwischen 15 bis 99 Jahren alt waren, also alle Altersklassen abdeckten, zeigte sich: Wem die Verbindung zu Verwandten und Freunden am Herzen lag, der schätzte sich auch als gesünder und glücklicher ein.

Unter den Älteren fühlten sich allerdings vor allem jene wohl in ihrer Haut, die ihre Freundschaften zu schätzen wussten. Freundschaft scheint im Alter für Gesundheit und Wohlbefinden bedeutsamer als die eigene Familie, schloss Chopik daraus.

Im Alter schaden belastende Freundschaften eher

Das bestätigt auch die zweite Analyse. Ausgewertet hat der Forscher dafür zwei Erhebungen mit rund 7500 älteren Erwachsenen. Über mehrere Jahre hinweg wurden sie befragt, inwiefern Familienbande und Freundschaften eine Unterstützung oder Belastung für sie seien. Zusätzlich gaben sie an, ob sie an chronischen Erkrankungen litten und wie wohl sie sich fühlten. Der Befund überraschte: Die Freundschaften waren zwar wieder ausschlaggebend für die Gesundheit im Alter, aber diesmal zum Schlechten hin.

Bei allen Befragten nahmen die chronischen Beschwerden mit den Jahren zu, aber vor allem bei jenen, die von belastenden Freundschaften berichteten. Während die eigenen Kinder oder Ehepartner das generelle Wohlbefinden zum Guten oder Schlechten beeinflussen konnten, hatte nur der Freundeskreis auch Auswirkungen auf die Erkrankungen der Befragten.

Ein Erklärungsversuch: Mit zunehmendem Alter sind Freunde ein wichtiger Pfeiler im Leben. Eine wenig stützende Beziehung kann dann belasten. Brechen im Alter durch Tod oder Krankheit wohltuende Freundschaften weg und bleiben nur die weniger hilfreichen übrig, kann das die Gesundheit beeinträchtigen, so der Studienautor.

Jana Hauschild/ EMT

William J. Chopik: Associations among relational values, support, health, and well-being across the adult lifespan. Personal Relationships, 24, 2017, 408–422. DOI: 10.1111/pere.12187

 

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 10/2017 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Narzissten".

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