Fußball, Chips – und Herzinfarkt?

21. Juni 2010
 

Ganz Deutschland ist sich einig: Fußball ist eine aufregende Angelegenheit – vor allem während der WM. Doch so manchen nehmen die Ereignisse auf dem Platz derart mit, dass er sogar einen Herzinfarkt erleidet. Der Kardiologe Andreas May vom Tübinger Uniklinikum erklärt, wer besonders gefährdet ist, woran man einen drohenden Infarkt erkennt und was dann zu tun ist.

Herr Professor May, woran erkennt man einen Herzinfarkt?

ANDREAS MAY Die typischen Anzeichen sind plötzlich auftretendes und anhaltendes Enge- oder Druckgefühl im linken Brustkorb mit Ausstrahlung in die linke Schulter, den linken Arm oder in den Unterkieferbereich. Bei Frauen können die Beschwerden allerdings atypisch verlaufen.

Was passiert dabei im Körper?

MAY Ein Infarkt entsteht, wenn sich ein Blutgefäß verschließt, das den Herzmuskel mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Diesem Vorgang liegen meist Gefäßverkalkungen zugrunde. Wenn die Kalkablagerungen „aufbrechen“, bilden sich auf ihnen in Sekundenschnelle Blutgerinnsel, die das Gefäß komplett verschließen können. Das von diesem Gefäß versorgte Gebiet des Herzmuskels stirbt ab, wenn keine rasche Wiedereröffnung erfolgt.

Kann durch Sonne, Hitze und Alkohol, etwa beim Public Viewing, das Herzinfarktrisiko zusätzlich steigen?

MAY Sonne, Hitze, und Alkohol im Übermaß können zu Veränderungen im Elektrolythaushalt und zu Kreislaufproblemen führen und dadurch einen Herzinfarkt auslösen. Auch emotionaler Stress ist ein Faktor, der zu einem Herzinfarkt beitragen kann. So kam es bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bei den Deutschlandspielen tatsächlich zu gehäuften Notarzteinsätzen wegen Herzinfarkten.

Was soll man als Erstes tun, wenn der Verdacht auf ein Herzproblem besteht?

MAY Den Notarzt anrufen und bis zu dessen Eintreffen in Begleitung von Angehörigen oder Bekannten bleiben. Aufrecht und bequem sitzen.

Gibt es Personengruppen, die besonders gefährdet sind?

MAY Ja, dies sind vor allem Patienten mit Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder zu hohen Cholesterinwerten sowie Raucher, übergewichtige Personen und Personen mit familiärer Belastung.

Müssen sich Patienten, die schon einmal einen Infarkt hatten, besonders in Acht nehmen?

MAY Diese Patienten sollten in fachärztlicher Betreuung sein und bestimmte Medikamente zur Prophylaxe einnehmen. Darüber hinaus sollten sie versuchen, ihr Risiko durch eine Änderung ihres Lebensstils zu senken – und zum Beispiel auch zur Fußball-WM die Chipstüte ungeöffnet lassen. Aber ob die Betroffenen beim WM-Finale mit deutscher Beteiligung zum deutlich weniger aufregenden Rosamunde-Pilcher-Film wechseln, möchte ich jedem selbst überlassen. Quelle: idw

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