Glücklich ohne Ehe
Macht die Ehe Frauen glücklich? Brauchen Frauen, die einen festen Partner haben, zu ihrem Lebensglück die offizielle Bestätigung ihrer Liebe durch die Ehe? Das hängt offenbar weniger von der persönlichen Einstellung ab als von der Gesellschaft, in der sie leben. Je konservativer die Werte einer Gesellschaft, desto unglücklicher sind Frauen in „wilder Ehe“ im Vergleich zu den verheirateten Frauen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Instituts für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität zu Köln.
Die Psychologen Olga Stavrova, Detlef Fetchenhauer und Thomas Schlösser werteten die Daten einer Befragung von insgesamt 22.000 verheirateten und in wilder Ehe lebenden Frauen und Männern in 28 Ländern aus. Knapp 900 davon lebten in Deutschland, der Rest in so unterschiedlichen Gegenden der Welt wie Australien, Brasilien, Skandinavien sowie Ost- und Westeuropa. Auf einer 7-Punkte-Skala von 0 (glücklich) bis 7 (absolut unglücklich) wurde das subjektive Glücksempfinden der Probanden gemessen.
Dieses setzten die Forscher in Beziehung zu den Werten der Gesellschaft, in der die Frauen lebten. Die Länder mit den ausgeprägtesten traditionellen Rollenerwartungen an die Frau waren Bulgarien, Mexiko, die Slowakei, Brasilien und die USA. Dort erleben Frauen in eheähnlichen Partnerschaften die stärkste Missbilligung durch ihre Umwelt. So sind im konservativen Bulgarien verheiratete Frauen um 0,8 Punkte glücklicher als unverheiratet in einer Partnerschaft lebende.
Deutschland liegt mit seinen gesellschaftlichen Konzepten von Geschlechtergleichheit im Mittelfeld. Hier gibt es für Frauen keinen großen Unterschied, ob sie in der Ehe oder in einer eheähnlichen Gemeinschaft leben. In den liberalen skandinavischen Ländern bringt die offizielle Ehe überhaupt nicht mehr Glück als das inoffizielle Zusammenleben.
Die Studie widerlegt bisherige Annahmen über das Thema Glück in der Ehe und eheloser Gemeinschaft. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass verheiratete Menschen glücklicher seien als diejenigen, die in wilder Ehe zusammenleben. Unterschiedliche Erklärungen wurden angeboten: Die Ehe bedeute größere Bindung oder Hingabe und Zuverlässigkeit, die Verheirateten seien religiöser und deswegen glücklicher. „Unsere Ergebnisse konnten zeigen, dass es – zumindest im Fall der Frauen – nicht an der Ehe selbst liegt, sondern an den dominierenden gesellschaftlichen Vorstellungen über die sozialen Rollen von Männern und Frauen“, so Stavrova.
„Ob unser Status, unsere Lebensform oder unser Glaube uns glücklich machen, hängt nicht nur davon ab, was für ein Status oder Glaube es ist, sondern davon, ob wir in einer Gesellschaft leben, die diesen Status oder Glauben unterstützt oder nicht“, erklärt die Psychologin. So haben Studien zum Beispiel auch ergeben, dass Arbeitslose vor allem in solchen Ländern unglücklich sind, in denen die gesellschaftliche Moral besagt, dass jeder von der eigenen Arbeit leben muss. Oder dass religiöse Menschen vor allem in solchen Ländern glücklich sind, in denen viele ihren Glauben teilen.
Quelle: idw; Bild: Getty Images
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