Hartnäckigkeit zahlt sich aus

19. Dezember 2011
 

„Sie liebt mich, sie liebt mich nicht…“ – Männer sind nicht besonders gut darin, die Flirtzeichen des anderen Geschlechts zu deuten. Mit gutem Grund, behauptet die Psychologin Carin Perilloux. Vermutlich hat die Evolution solche Männer bevorzugt, die bereit waren, auch Mal einen Fehlschuss zu riskieren.  Hartnäckigkeit und Selbstüberschätzung zahlen sich schließlich aus: Lieber es bei so vielen Frauen wie möglich versuchen und ab und an abgewiesen werden, als eine Chance verpassen…

In Perillouxs Speed-Dating-Experiment saßen sich jeweils hundert Studenten und Studentinnen drei Minuten gegenüber. Nach jedem Treffen gaben sie an, wie attraktiv sie ihr Gegenüber fanden und ob sie glaubten, dass auch ihr Tischpartner an ihnen interessiert sei. Das Ergebnis: Männer, die an einer schnellen Liebelei interessiert waren, überschätzten das Interesse der Frauen. Und je attraktiver sie die Dame fanden, desto mehr vermuteten sie, dass auch die Tischnachbarin Feuer und Flamme für sie gewesen sei.

Perilloux glaubt, dass diese überoptimistische Taktik den Fortpflanzungserfolg der Männer im Laufe der menschlichen Evolution vergrößert habe. „Als Mann kann man zwei Fehler machen“, erklärt die Psychologin. „Entweder denkt man ‚Oh, wow, diese Frau ist wirklich an mir interessiert‘ – und dann ist sie es nicht. Dann hat das natürlich auch seine Kosten wie Scham oder ein angeknackstes Ego. Der andere Fehler: Sie interessiert sich wirklich, und er kriegt es nicht mit und verpasst damit seine Chance auf Fortpflanzung – das ist evolutionär gesehen katastrophal und unentschuldbar.“ Perilloux geht davon aus, dass jene Männer, die sich auf Teufel komm raus an die Frauen ranschmissen, selbst auf die Gefahr hin, dass sie zurückgewiesen würden, häufiger zum Zug kamen. Und diese aufdringliche, sich selbst und das Interesse der Frauen überschätzende Neigung haben sie schließlich auch an ihre genetischen Erben weitergegeben.

Es gab sie aber doch die Männer, die einen feinen Fühler für das Interesse der Frauen hatten. In Perillouxs Experiment waren es aber ausschließlich die attraktiven Exemplare, die nicht schon beim kleinsten Lächeln einer Frau sexuelles Interesse unterstellten. Die Psychologin glaubt, dass attraktive Männer das Interesse einer Frau nicht überschätzen müssen, schließlich bekommen sie auch so schon genug Fortpflanzungspartner ab. Wahrscheinlich erklärt dies auch, warum die Frauen in der Studie generell das Interesse der Männer unterschätzten. Für sie ist es schließlich besser, erst einmal vorsichtiger zu sein und keine schlafenden Hunde zu wecken. Sie investieren viel in eine Schwangerschaft, so dass es evolutionär gesehen ratsamer ist, nicht gleich zuzugreifen und sich für einen Partner mit einer ansprechenderen genetischen Ausstattung aufzusparen.

Perilloux hofft, dass sie mit ihrer Studie nicht nur ein paar evolutionäre Geheimnisse aufgedeckt hat, sondern auch den heutigen Männern und Frauen weiterhelfen konnte: „Frauen sollten wissen, dass sie bei Männern so klar wie möglich sein müssen.“ Besonders bei den optisch benachteiligten Exemplaren. Und ein Tipp für die Männer hat die Psychologin auch parat: „Je mehr Sie sich für eine Frau interessieren, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie überschätzen, wie sehr sich die Frau auch für Sie interessiert.“

Simone Einzmann

Quelle: Association for Psychological Science
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