Journalist: ein stressiger, aber befriedigender Beruf

27. Februar 2007
 

„Zufrieden“, „sehr zufrieden“ oder sogar „äußerst zufrieden“ mit dem Beruf. Wer kann das schon von sich sagen? Zumindest bei einer Berufsgruppe trifft das auf eine überwältigende Mehrheit zu, nämlich auf knapp 80 Prozent der Journalistinnen und Journalisten, deren Tätigkeit man eher mit besonderem Stress, eingeschränktem Privatleben und ungesunder Lebensweise verbindet.

„Biopsychologie von Stress“ hieß die Studie der Technischen Universität Berlin und der Universität Würzburg, die dieses überraschende Ergebnis erbrachte. Die Untersuchung, die von den Psychologen Gisela Erdmann und Wilhelm Janke geleitet wurde, hatte zum Ziel, berufliche Belastungen und deren Bewältigung von deutschen und österreichischen Journalisten zu erfassen.

Befragt wurden 321 hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten aus Deutschland und Österreich zwischen 20 und 70 Jahren. Ein Teil von ihnen war als Redakteur fest angestellt, die anderen arbeiteten als freie Mitarbeiter auf Honorarbasis. Die Einschätzung der beruflichen Belastung ergab bei deutschen und österreichischen, männlichen und weiblichen Journalisten annähernd ähnliche Befunde.

Übereinstimmend nannten alle Gruppen als häufigste Belastungsfaktoren das hohe Arbeitspensum und die unregelmäßige und lange Arbeitszeit. Dieses stimme auch mit anderen Erhebungen überein und sei, so die Autoren der Studie, sicher ein hervorstechendes Merkmal dieses Berufes. Selbst wenn die Belastungsintensität von den Betreffenden als nicht besonders hoch eingestuft wird, kann sie nach Ansicht der Forscher auf Dauer die psychische und körperliche Gesundheit gefährden. Vor allem mangele es Journalisten an ausreichenden Erholungszeiten.

Gleichwohl ist die berufliche Zufriedenheit ist in allen untersuchten Journalistengruppen sehr hoch. Am wenigsten zufrieden zeigten sich die meisten mit den Weiterbildungsmöglichkeiten. Am positivsten beurteilten sie das Verhältnis zu Kollegen. Am auffälligsten gegenüber Vergleichsgruppen aus anderen Berufen sind die bei Journalisten günstigeren Strategien beim Umgang mit Stress.

„Stressverarbeitungsmethoden werden individuell unterschiedlich eingesetzt“, erläutern die Forscher. Personen, die zu ungünstigen Strategien wie etwa Dramatisieren neigen, haben ein höheres Risiko, Belastungsstörungen zu entwickeln. Wie sich herausstellte, zeigen Journalisten hohe Werte bei so genannten „Positiv-Strategien“ der Stressverarbeitung. Dazu gehören zum Beispiel die Bagatellisierung der Belastung, die Schuldabwehr, die Zuwendung zu positiven Situationen, Situationskontrolle oder Entspannung. Gleichwohl gehen die Psychologen davon aus, dass nicht alle der Anti-Stresss-Strategien, die Journalisten anwenden, die Belastungen tatsächlich senken. Quelle: idw

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