Junge Erwachsene verstehen sich mit ihren Eltern

11. April 2012
 

Nicht Konflikte und Spannungen dominieren heute die Beziehungen zwischen jungen Erwachsenen und ihren Eltern, sondern familiärer Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung. Über 80 Prozent der nicht mehr zu Hause lebenden Kinder haben mindestens einmal in der Woche Kontakt zu ihrer Mutter, und mehr als zwei Drittel der jungen Erwachsenen sagen, dass sie sich mit ihren Eltern eng verbunden fühlen.

Dies ist einer der Befunde der derzeit größten Studie über partnerschaftliches und familiäres Zusammenleben in Deutschland, die an der Technischen Universität Chemnitz von dem Soziologen Bernhard Nauck geleitet wird. Im Rahmen des „Beziehungs- und Familienpanels“ werden seit 2008 jährlich Interviews mit mehr als 10.000 jungen Erwachsenen und deren Partnern, Eltern und Kindern durchgeführt.

Die intensivste Bindung besteht laut den jüngsten Befunden zwischen erwachsenen Töchtern und ihren Müttern. Unter anderem berichtet jede zweite Tochter von häufigen Gesprächen über persönliche Dinge mit ihrer Mutter.

Zwar gehen Kontakthäufigkeit und emotionale Nähe mit dem Auszug aus dem Elternhaus, dem Eingehen von Partnerschaften, der Gründung einer Familie und der finanziellen Unabhängigkeit etwas zurück. Insgesamt bleibt die gegenseitige Unterstützung zwischen den Generationen jedoch sehr hoch. So helfen mehr als drei Viertel der erwachsenen Kinder ihren Eltern bei Alltagsangelegenheiten, während mehr als die Hälfte der erwachsenen Kinder regelmäßig größere Geschenke oder finanzielle Zuwendungen von den Eltern erhält. Eine wichtige Leistung seitens der Eltern ist die Betreuung der Enkelkinder: Die Mehrheit der Großmütter engagiert sich regelmäßig oder gelegentlich als Babysitter.

Eltern-Kind-Beziehungen stellen somit auch in späteren Familienphasen eine zentrale Ressource für emotionale und praktische Unterstützung dar, konstatieren die Forscher. Ihre bundesweite Langzeitstudie geht nunmehr in die nächste Runde, für die die Deutsche Forschungsgemeinschaft mehr als fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Bis 2014 werden die fünfte und sechste Erhebungswelle realisiert. Ziel der insgesamt auf 14 Jahre angelegten Untersuchung ist es, die Entwicklung von Partnerschaften, Familien und Generationenbeziehungen über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Der Fokus richtet sich dabei vor allem auf die Anbahnung, Gestaltung und Qualität von Partnerschaften, die Gründung und Erweiterung von Familien, die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sowie die Erziehung und Entwicklung der Kinder.

Die Studie im Internet: www.pairfam.de

Quelle: TU Chemnitz über idw
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