Junge Migranten: Mehr Aufklärung, bitte!

26. März 2010
 

Ein Drittel der Jugendlichen in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Und wie alle jungen Leute interessieren sie sich für Liebe und Sex. Um mehr über ihre Einstellungen und Bedürfnisse in Bezug auf Sexualität zu erfahren, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine Studie in Auftrag gegeben.

Über die Hälfte der befragten 14- bis 17-Jährigen möchte demnach mehr über Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten wissen; 47 Prozent äußerten Bedarf an Informationen über die verschiedenen Methoden der Empfängnisverhütung.

Informationen in deutscher Sprache werden dabei eindeutig bevorzugt: 62 Prozent der Jugendlichen wollen Sexualaufklärung „lieber auf Deutsch“. Nur acht Prozent würden gerne in der Sprache ihres Herkunftslandes beziehungsweise des Herkunftslandes ihrer Familie angesprochen werden.

Grundsätzlich zeigt die Untersuchung, dass jugendliche Migrantinnen und Migranten keine homogene Gruppe sind. Unterschiede ergeben sich jedoch nicht aufgrund der Herkunftsländer ihrer Familien. Entscheidend für die Einstellungen zu Liebe, Sexualität und Partnerschaft, ihr Informationsinteresse und ihre Sprachpräferenz ist vielmehr ihre Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Lebensstil- und Wertorientierungsgruppen, die auch als Milieus bezeichnet werden.

Etwa 70 Prozent der befragten Mädchen und Jungen haben moderne Lebensstile und Wertorientierungen. Sie führen ein ähnliches Leben wie Gleichaltrige mit deutschem Familienhintergrund; über Liebe und Sex informieren sie sich mit den gleichen Angeboten – wie Broschüren, Berichten in Jugendzeitschriften und Internetseiten.

Das stärkste Interesse an Informationen äußern Jugendliche des intellektuell-kosmopolitischen Milieus (fünf Prozent der Jugendlichen). Deutlich weniger interessiert an Fragen rund um das Thema Sexualität sind Jugendliche, die aufgrund ihres Lebensstils und ihrer Wertorientierungen dem religiös verwurzelten Migrationsmilieu zugeordnet werden (drei Prozent).

Eine Präferenz für Informationen in der Herkunftssprache haben vor allem Jugendliche mit einfacher Schulbildung, die eher traditionsgeprägten Lebensstilgruppen angehören. Dies mag vor allem darin begründet sein, dass sich mehr als die Hälfte von ihnen mit Freunden und Bekannten in ihrer Herkunftssprache unterhält. Sie lassen sich am besten durch Aufklärung im Schulunterricht erreichen.

Hierzu zählen etwa Angebote wie das Projekt „komm auf Tour - meine Stärken, meine Zukunft“, das von der BZgA zusammen mit den Agenturen für Arbeit gefördert wird. Das Projekt unterstützt bereits frühzeitig Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf beim Entdecken ihrer Stärken und Interessen. Neben Fragen zur Berufsorientierung und Lebensplanung werden dabei auch Themen wie Freundschaft, Partnerschaft und Sexualität behandelt. Quelle: idw

Diesen Artikel:

Neu im Shop

Sex@mour - Jean-Claude Kaufmann

Jean-Claude Kaufmann und Eva Illouz beleuchten den Wandel unseres Liebeslebens. Uneins sind sie in der Frage, ob wir in Zeiten des Internets eine neue Ethik brauchen.

19,99 €inkl. 7% MwSt.
Anzeige
Anzeige

Aboservice

Jahres-, Studenten- oder Geschenkabo: Sie wählen Ihr Abonnement – wir bieten interessante Prämien! Zum Abo-Shop.