Keine Angst vorm Schokohasen

01. April 2010
 

Genug gefastet, her mit den Schokoladenhasen. – Aber das Cholesterin! Und was ist mit meiner Migräne? Forscher geben zum Osterfest in beiden Fällen Entwarnung: Schokoladengenuss in Maßen öffnet weder dem Kopfschmerz die Pforten, noch schadet er Herz und Gefäßen – im Gegenteil.

Viele Migränepatienten quälen sich über die Feiertage mit der Frage, ob sie nicht besser auf Ostereier und Schokoladenhasen verzichten sollten. Sie fürchten, das Quantum Süßes könnte eine neue Schmerzattacke provozieren oder eine bereits aufgezogene Migräne verschlimmern. Denn: Schokolade und andere Süßigkeiten wie zum Beispiel Gummibärchen werden immer wieder als Auslöser für Migräneattacken genannt.

Hintergrund dafür ist, dass es in einer Vorphase der Migräne, der sogenannten Prodromalphase, häufig zu Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Nervosität, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und auch Heißhungerattacken kommt. Bis zu 70 Prozent der Migränepatienten berichten von einer solchen Vorbotenphase, in der sie ein geändertes Verhalten zeigen. „Bei einer plötzlich auftretenden Essattacke wird dann in kurzer Zeit zum Beispiel eine ganze Tafel Schokolade vernichtet“, sagt die Münchner Neurologiedozentin Stefanie Förderreuther von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Dies habe Schokolade in den Ruf gebracht, Migräneattacken auszulösen.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass dem nicht so ist. In eine dieser Studien wurden sowohl Migränepatienten einbezogen, die sich sicher waren, dass ihre Attacken durch Schokolade ausgelöst würden, als auch solche, die einen derartigen Auslöser nicht für sich beobachtet hatten. Alle Probanden aßen entweder Schokolade oder einen Ersatzstoff, den man geschmacklich nicht von Schokolade unterscheiden konnte. Weder die Teilnehmer noch die Forscher waren unterrichtet, welche der beiden Naschereien jeweils gereicht wurde.

Resultat: Es konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Ob die Versuchspersonen Schokolade oder den unverdächtigen Ersatzstoff zu sich genommen hatten, änderte nichts an der anschließenden Häufigkeit ihrer Migräneattacken. Möglicherweise ist Heißhunger bei einer aufziehenden Migräne für manche Patienten sogar günstig, da sich der Körper im Vorfeld für die schweren Symptome rüstet und vor Einsetzen von Appetitlosigkeit und Übelkeit noch einmal für die Aufnahme von Kalorien sorgt.

Nahrungsmittel, so Förderreuther, würden als direkte Auslöser für Migräne ohnehin überschätzt. Sogar auf Alkohol müssten die Patienten während der Feiertage nicht zwangsläufig verzichten. Zwar führten bestimmte alkoholische Getränke, insbesondere Rotwein, bei manchen Migränepatienten regelhaft zu Attacken. Dabei sei es jedoch meist nicht der Alkohol, sondern bestimmte Inhaltsstoffe im alkoholischen Getränk, die die Attacke auslösten. Daher sei nicht jedes alkoholische Getränk für jeden Patienten schädlich. Für die meisten Patienten gelte, dass sie alles genießen dürften und keine speziellen Diäten einhalten müssten.

Der Schokohase ist also rehabilitiert – auch was das Herz und die Blutgefäße angeht. Der tägliche Verzehr von einem kleinen Stück Schokolade kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar senken, insbesondere für Schlaganfall. Der in dunkler Schokolade enthaltene Kakao enthält viele Flavanole, die sich günstig auf die Elastizität der Blutgefäße und den Blutdruck auswirken, wie in den letzten Jahren bereits verschiedene klinische Kurzzeitstudien belegt haben. Dieser Effekt wurde nun in der Langzeitstudie EPIC überprüft, bei der etwa 20.000 Teilnehmer im Schnitt acht Jahre lang beobachtet wurden.

Ein Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung hat die EPIC-Daten auf den Herz-Kreislauf-Effekt von Schokoladenverzehr hin analysiert. Wie die Studie zeigt, haben Personen, die im Schnitt etwa sechs Gramm kakaohaltige Schokolade pro Tag verzehren, im Vergleich zu Personen, die kaum Schokolade essen, ein um fast 40 Prozent verringertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei sank das Schlaganfallrisiko um fast die Hälfte. Das Herzinfarktrisiko verminderte sich um 27 Prozent.

„Schokolade ist für ihren blutdrucksenkenden Effekt bekannt. Da ein hoher Blutdruck für Schlaganfälle ein stärkerer Risikofaktor ist als für Herzinfarkte, hatten wir erwartetet, dass der Schokoladenverzehr auch stärker mit einem verminderten Schlaganfallrisiko verbunden sei. Genau dies haben wir in den Studiendaten gesehen“, sagt Brian Buijsse, Erstautor der Studie.

In der aktuellen Studie hatten die Personen mit dem höchsten Schokoladenverzehr einen geringeren Blutdruck als die Personen mit dem geringsten Schokoladenverzehr. Allerdings war der Blutdruckunterschied weniger stark ausgeprägt als in anderen Studien. Ein Grund dafür könne die Vorliebe der meisten Studienteilnehmer für Vollmilchschokolade sein, mutmaßt Buijsse. Sie hat einen geringeren Kakaoanteil als Bitterschokolade und somit auch einen geringeren Anteil an blutdrucksenkenden Flavanolen.

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