Leistungsvergleiche mindern die Qualität der Arbeit

01. Mai 2008
 

Mitarbeiterrankings, in denen die Leistungen der Angestellten in eine Reihenfolge gebracht und veröffentlicht werden, sollen die Motivation und die Produktivität der Belegschaft ankurbeln. Doch genau das tun sie offensichtlich nicht – stattdessen leidet die Qualität der Arbeit, wie eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit in Bonn nahelegt.

Leistungsvergleiche sind in Unternehmen heutzutage gang und gäbe, bei Vertriebsmitarbeitern hängt häufig sogar die Entlohnung vom Vergleich ihrer Verkaufszahlen mit denen der Kollegen ab. Ob diese Praxis allerdings tatsächlich anspornend wirkt, war bisher noch nicht geklärt. Vielleicht verführt sie die „Spitzenkandidaten“ auch dazu, ihre Anstrengungen zurückzuschrauben, da sie sowieso niemand mehr einholen kann? Und reduzieren aussichtslos zurückliegende Mitarbeiter eventuell aus lauter Frust ihren Arbeitseinsatz, statt sich ins Zeug zu legen?

Diesen Fragen gingen die Wirtschaftswissenschaftlerin Marie-Claire Villeval und ihr Team nach. In einem Experiment untersuchten sie, wie sich die Rückmeldung über die eigene Leistung und die der anderen Teilnehmer auf das Arbeitsverhalten auswirkt. Dazu teilten sie ihre Probanden in Zweiergruppen ein und wiesen sie an, unabhängig voneinander innerhalb einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Rechenaufgaben zu lösen.

Bezahlt wurden sie entweder mit einem Stücklohn pro richtig gelöster Aufgabe, oder der Gesamtgewinn ging an den produktiveren Teilnehmer, während der unterlegene Kollege gar nichts bekam. Über ihren eigenen Punktestand wurden die Probanden laufend informiert. Zur Leistung ihres Partners erhielten sie je nach Versuchsvariante entweder keinerlei Rückmeldung, einen Halbzeitstand oder kontinuierliche Informationen.

Das Ergebnis: Die Rückmeldung über die Produktivität des Kollegen hatte keinen Einfluss auf den Arbeitseinsatz der Probanden – unabhängig von der Bezahlung. So gaben die Schwächeren so gut wie nie auf, egal wie abgeschlagen sie hinter ihrem Kollegen lagen. Und die Stärkeren nahmen ihren Vorsprung nie zum Anlass, sich zurückzulehnen und weniger anzustrengen.

Hingegen sank die Qualität der geleisteten Arbeit merklich, wenn ein Zwischenstand durchgegeben oder der Punktestand des Kollegen laufend aktualisiert wurde. Gerade die leistungsschwächeren Teilnehmer machten dann deutlich mehr Fehler. Die Forscher vermuten, dass der unmittelbare Vergleich den Druck erhöht und zu Stress und Unsicherheit führt.

Vereinzelt regte die Veröffentlichung des Leistungsstandes zwar den sportlichen Ehrgeiz an – vor allem in der Variante, bei der am Ende der unterlegene Partner leer ausging. Dies reichte jedoch nicht, um das Minus an Arbeitsqualität auszugleichen. Die Gesamtproduktivität von Unternehmen werde demnach durch die Bekanntmachung der Leistung eher verringert, folgert das Team um Villeval. Zwar ließen sich die Ergebnisse nicht unmittelbar in die betriebliche Praxis übertragen, dennoch lieferten sie klare Hinweise darauf, dass offene Leistungsvergleiche sich nur bedingt als Anreizstrategie eignen.

Von Anke Römer Quelle: idw

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