Lerchen sabotieren sich morgens, Eulen abends

18. November 2016
 

Manche Menschen haben so große Versagensängste, dass sie Misserfolgserlebnissen durch Selbstsabotage vorbeugen: Just vor der entscheidenden Prüfung ist so viel Dringendes zu erledigen, dass sie einfach nicht zum Lernen kommen. Wenn der Test dann schiefgeht, können sie sich sagen, dass es ja nicht an ihnen lag, sondern an den widrigen Umständen.

Besonders hoch ist der Druck zur Selbstsabotage ausgerechnet zu jener Tageszeit, an der man eigentlich sein biologisches Leistungshoch hat, wie Psychologen der Indiana University nun in einem Experiment nachgewiesen haben. Teilnehmer waren 237 Studentinnen und Studenten, die entweder um acht Uhr morgens oder um acht Uhr abends einen Intelligenztest absolvieren sollten. Zuvor hatten die Forscher ermittelt, ob die Betreffenden eine „Lerche“ oder eine „Eule“ waren, also ob sie schon am frühen Morgen oder erst gegen Abend richtig auf Touren kamen.

Das Ergebnis: War der Test für jene Tageszeit avisiert, an denen die Probanden ohnehin nicht ihr Leistungshoch hatten, so spielte es keine Rolle, ob sie im Alltag zur Selbstsabotage neigten oder nicht. Doch zu jener Tageszeit, in der sie biorhythmisch auf Höchstleistung eingestellt waren, empfanden die Selbstsabotierer deutlich mehr Stress als die anderen. Offenbar fühlten sie sich gerade dadurch, dass einer guten Leistung nun eigentlich nichts im Wege stehen müsste, heftig unter Druck gesetzt.

Thomas Saum-Aldehoff

Quelle:
Julie Eyink u.a.: Circadian variations in claimed self-handicapping: Exploring the strategic use of stress as an excuse. Journal of Experimental Social Psychology, DOI: 10.1016/j.jesp.2016.07.010 

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