Lieb Herz, magst ruhig sein

07. Oktober 2016
 

Herzklopfen! Wenn man die eigenen Herzschläge überdeutlich wahrnimmt, ist das oft tief beunruhigend. Denn normalerweise entzieht sich der Schlag des Herzens unserer Wahrnehmung. Bei Patienten, die ihn trotzdem laut hören und darüber besorgt sind, spricht man von Palpitationen. Bei bis zu einem Drittel der Betroffenen kann der Arzt jedoch auch nach sorgfältiger Untersuchung keine organische Ursache finden. Oft heißt es dann, die Symptome seien eben „funktionell“ oder psychosomatisch.

Doch wieso haben wir nicht alle diese Symptome? Warum wir den eigenen Herzschlag gewöhnlich nicht hören oder spüren, haben jetzt Roy Salomon und seine Kollegen von der ETH Lausanne (EPFL) herausgefunden. Im Journal of Neuroscience berichten die Forscher, dass das Gehirn normalerweise die Wahrnehmung des Herzschlags aktiv zu unterdrücken vermag. Dabei spielt anscheinend eine als Inselrinde (Insula) bezeichnete Hirnregion eine spezielle Rolle, sagt Salomon. Sie filtere nämlich Sinnesreize im Moment der Herzkontraktion (Systole), so dass sie weniger leicht ins Bewusstsein gelangen. Tatsächlich sinkt die Aktivität der Insula bei Sinneseindrücken, die synchron mit dem Herzschlag sind, wie die Forscher mit einem bildgebenden Verfahren an acht Probanden nachweisen konnten.

In der Regel unterdrückt also das Gehirn die Sinneseindrücke des eigenen Herzschlags, sodass wir das Herz nicht schlagen hören. Das aber funktioniere anscheinend nicht mehr, wenn – etwa bei Angst – die Herzfrequenz deutlich erhöht sei, sagt Salomon auf Nachfrage. Andere Studien zeigten, dass Personen mit Angststörungen ihren Herzschlag oftmals viel deutlicher wahrnehmen als andere. Aber auch Menschen ohne solche Probleme können ihren Herzschlag spüren, wenn sie aufgeregt sind oder Stress haben und dabei das vegetative Nervensystem alarmiert ist.

Johann Caspar Rüegg

DOI: 10.1523/JNEUROSCI.4262-15.2016

 

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