Machen Kinder depressiv?

14. Februar 2006
 

Immer weniger Menschen in Deutschland entscheiden sich für ein Leben mit Kindern – wohl auch wegen all der Verantwortung und den Sorgen, die eine Elternschaft mit sich bringt. Eine aktuelle amerikanische Studie erbrachte ein überraschendes und klares Ergebnis: Eltern sind depressiver als kinderlose Erwachsene, und zwar sowohl Mütter als auch Väter. Dabei ist es egal, ob es sich um Alleinerziehende handelt, verheiratete Eltern Minderjähriger oder Eltern von erwachsenen Kindern mit eigenem Haushalt.

Der vermutete Grund: Eltern sind stark in das Leben ihrer Kinder involviert und bangen ständig um sie – selbst dann, wenn diese längst erwachsen sind. „Eltern haben mehr, um das sie sich sorgen, als andere Leute. Und diese Sorge verschwindet nicht mit der Zeit“, sagt die Soziologin Robin Simon von der Florida State University. „Wir sorgen uns, ob die Kinder in der Welt zurechtkommen.“ In westlichen Nationen wie den USA erführen die Eltern auch nicht unbedingt viel Unterstützung durch die Gemeinde oder Großfamilie, doch „Eltern sollten wissen, dass sie nicht alleine sind, andere Menschen fühlen genauso“, erklärt Simon. Aber über eines sollten sie sich klar sein: „Elternschaft ist nicht so, wie es die Werbung zeigt.“

Gemeinsam mit Ranae Evenson von der Vanderbilt University untersuchte Simon die Beziehung zwischen Elternschaft und Depression (Journal of Health and Social Behavior, Dez. 2005). „In unserer Stichprobe gibt es keinen Typ von Eltern, der weniger depressive Symptome hat als Kinderlose“, schreiben die Forscher. Allerdings hatten Alleinerziehende die stärksten Symptome, während Verheiratete, die mit minderjährigen Kindern zusammenlebten, weniger depressiv waren als andere Eltern. „Kleine Kinder sind auf gewisse Art emotional einfacher“, sagt Simon.

Evenson und Simon fanden, dass die Sorgen auch dann nicht verschwinden, wenn die Kinder aus dem Haus sind: Eltern, deren Kinder nicht mehr bei ihnen lebten, waren immer noch depressiver als Kinderlose in etwa dem gleichen Alter und mit ähnlichem sozialen Hintergrund.

Quelle: American Sociological Association; Florida State University; Ranae J. Evenson, Robin W. Simon: Clarifying the relationship between parenthood and depression, Journal of Health and Social Behavior, Dec. 2005

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