Meditation stärkt die Selbststeuerung
Schon ein elfstündiges Training in einer chinesischen Meditationstechnik bewirkt positive Veränderungen im Gehirn, wie jetzt ein Forschungsteam um Yi-Yuan Tang von der Dalian University of Technology und Michael Posner von der University of Oregon dokumentiert hat. Die Wissenschaftler gaben 22 amerikanischen Studentinnen und Studenten einen Schnellkurs im Integrative-Body-Mind-Training (IBMT), während 23 Vergleichspersonen ein herkömmliches Entspannungsverfahren praktizierten.
IBMT wurde in den 1990er Jahren anhand von Vorbildern aus der traditionellen chinesischen Medizin entwickelt und wird heute in China von vielen praktiziert. Ziel ist, sich in einen Zustand entspannter Aufmerksamkeit zu versetzen. Die Studenten übten dies, begleitet von ruhiger Musik und einem Coach, unter dessen Anleitung sie Atemübungen, mentale Vorstellungsbilder und andere Techniken einsetzten.
Vor und nach dem Training durchleuchteten die Forscher die Gehirne der Probanden mit einem speziellen bildgebenden Verfahren, das den Zustand der Verbindungsfasern zwischen den Hirnarealen sichtbar macht. Die stärksten Veränderungen fanden sich in jenen Leitungsbahnen, die den vorderen cingulären Kortex einschlossen. Bei den IBMT-Trainierten sind diese Bahnen während der Übungen gestärkt worden, während sie bei den Vergleichspersonen unverändert blieben.
Der vordere cinguläre Kortex ist eine wichtige Schaltstelle für die Verhaltens- und Aufmerksamkeitssteuerung und vor allem für die Regulation von Stimmungen und Emotionen. Offenbar hat das Training also eine Hirnregion ertüchtigt, die uns ermöglicht, unser Verhalten an unseren Zielen auszurichten und unsere Gefühle in den Griff zu bekommen.
Schon in früheren Studien hatten die chinesisch-amerikanischen Forscher nachgewiesen, dass IBMT Angst, Niedergeschlagenheit, Ärger und Erschöpfung abmildert. Auch physiologische Werte wie Puls, Atemrhythmus oder Hautwiderstand signalisierten bei den Trainierten wache Entspanntheit.
Von Thomas Saum-Aldehoff
Quelle: Y.-Y. Tang u.a.: Short-term meditation induces white matter changes in the anterior cingulate. PNAS, online vorab, 2010
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