Mehr Beziehung, weniger Alkohol

24. November 2016
 

Menschen in Partnerschaften trinken laut einer aktuellen Studie weniger Alkohol als Personen ohne Beziehung. Liierte passen offenbar auf, dass ihr Partner nicht über die Stränge schlägt. Bei Geschiedenen scheint dieser Effekt nachzuwirken - zumindest teilweise.

Die Ehe schützt vor Trunkenheit. Etliche Studien haben das bestätigt. Aber stimmt es auch? Zwar gilt als gesichert, dass Verheiratete weniger trinken als Singles. Doch das könnte ja schlicht daran liegen, dass stadtbekannte Säufer und Säuferinnen aus naheliegenden Gründen seltener einen Partner finden.

In einer großen Studie hat jetzt Diana Dinescu von der University of Virginia mit ihrem Team den Beweis erbracht: Das Eheleben drosselt tatsächlich den Alkoholkonsum. Um Störeinflüsse auszuschließen, verglichen die Forscher eine ganz besondere Sorte von Probanden, die einander sowohl in ihren Genen als auch in ihrer Familiengeschichte ähnlich sind: erwachsene Zwillinge.

1681 weibliche und 807 männliche eineiige und zweieiige Zwillingspaare wurden hinsichtlich ihrer Trinkgewohnheiten verglichen, immer paarweise, also jeweils Zwilling A mit seinem gleichgeschlechtlichen Zwilling B. Spannend waren dabei die Vergleiche zwischen einem verheirateten Zwilling mit seinem noch ungebundenen oder bereits geschiedenen Zwilling.

Geschiedene trinken selten, aber heftig

Es stellte sich heraus: Verheiratete Probanden – und auch solche, die ohne Trauschein liiert waren – tranken seltener und insgesamt weniger Alkohol als ihre Schwestern oder Brüder, die Singles geblieben waren. Das Beziehungsleben war einem zurückhaltenden Umgang mit Alkohol also offensichtlich zuträglich. Diana Dinescu wertet dies als Bestätigung für den „Überwachungseffekt“ der Ehe: Die Partner achten wechselseitig darauf, dass sie nicht über die Stränge schlagen.

Aufschlussreich war das Trinkmuster der geschiedenen Probanden: Sie behielten zwar die eheliche Gewohnheit bei, nur zu vergleichsweise seltenen Gelegenheiten zum Glas zu greifen. Insofern wirkte der Kontrolleffekt der Ehe noch nach: Nicht jeden Abend Alkoholisches zu sich zu nehmen war zu einer löblichen Verhaltensroutine geworden.

Doch wehe, wenn sich dann mal eine der besagten „seltenen Gelegenheiten“ bot und etwa bei einem geselligen Beisammensein die eine oder andere Flasche Wein entkorkt wurde. Dann nämlich warfen die Geschiedenen alle Hemmungen, die sie in der Partnerschaft zurückgehalten hatten, über Bord und langten ordentlich zu.

Thomas Saum-Aldehoff/ EMT

Diana Dinescu u. a.: Is marriage a buzzkill? A twin study of marital status and alcohol consumption. Journal of Family Psychology, 30/6, 2016, 698–707. DOI: 10.1037/fam0000221 (Abstract)

 

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 12/2016 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Heimat finden". Weitere Meldungen zu interessanten aktuellen Studien finden Sie im Heft unter anderem in den Rubriken Themen & Trends sowie Körper & Seele.

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