Mit Wettbewerb gegen Egoismus

28. April 2011
 

Was ein Fußballteam zu engagiertem Zusammenspiel motiviert, könnte auch in anderen Situationen dem Gemeinnutz zugutekommen. Die Mitglieder einer Gruppe handeln nämlich dann besonders uneigennützig und zum Wohl der Gruppe, wenn sich ihre Gemeinschaft im Wettbewerb mit anderen befindet. Sie nehmen dann auch eher eigene Nachteile hin, um egoistische Mitglieder ihrer Gruppe zu bestrafen. Diese Erkenntnis hat eine Forschergruppe am Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik in spieltheoretischen Untersuchungen gewonnen.

In vielen Fällen hängt der Erfolg einer Gruppe davon ab, dass ihre Mitglieder entgegen eigennützigen Interessen zum Wohle der Gemeinschaft zusammenzuarbeiten. Wie gut Mitglieder konkurrierender Gruppen miteinander kooperieren und wie sie damit umgehen, wenn einzelne nur ihren Eigennutz verfolgen, untersuchten die Jenaer Wissenschaftler in einem spieltheoretischen Laborexeriment. „Wir wussten, dass Gruppen, deren Mitglieder kooperieren, erfolgreicher sind. Unter welchen Umständen aber werden sie aktiv, wenn egoistisches Verhalten dem Erfolg der Gruppe im Weg steht?“, erläutert Studienleiter Lauri Sääksvuori die Fragestellung, die er mit seinen Kollegen Tapio Mappes und Mikael Puurtinen von der Universität Jyväskylä in Finnland untersucht hat.

Die Forscher bildeten Gruppen, deren Mitglieder in 30 Spielrunden Gelder auf ein eigenes oder das Gruppenkonto verteilen konnten. Den Betrag auf dem Gruppenkonto verdoppelten die Forscher nach jeder Runde und teilten ihn unter allen Mitgliedern auf – das Geld egoistisch zu horten, half also nur dem Einzelnen, wirkte sich aber negativ auf den Erfolg aller aus.

Die Forscher variierten nun die Bedingungen: In einigen Gruppen bestand die Möglichkeit, eigennützig handelnde Mitglieder durch Punktabzug zu sanktionieren – dies kostete allerdings auch den Strafenden Punkte. Gleichzeitig standen manche Gruppen im Wettbewerb miteinander, dort gewann die Gruppe mit dem am besten gefüllten Gemeinschaftskonto bei Spielende.

Rational gesehen, sollte man nun erwarten, dass die Teilnehmer unter diesen Bedingungen lieber nicht selbst Strafen verteilen, sondern abwarteten, um die Kosten der Sanktion anderen zu überlassen. Wenn jedoch alle Mitglieder so handeln, blockiert sich die Gruppe, und der Erfolg sinkt. Die Forscher beobachteten aber ein anderes Verhalten: Sobald ihre Gruppe im Wettbewerb mit anderen steht, warten Gruppenmitglieder nicht mehr ab, ob ein anderer die Sanktion vornimmt – sie handeln schnell und nehmen die Kosten auf sich, zum Vorteil der ganzen Gruppe.

„Der Wettbewerb zwischen den Gruppen bietet einen Anreizmechanismus, um kulturelle Einstellungen zu verändern“, so Studienleiter Sääksvuori. Die Anwendungsmöglichkeiten seien vielfältig. Unter anderem könnte die Politik spielerische Anreize schaffen, Energie zu sparen. So könnte ein Wettbewerb zwischen Dörfern oder Gemeinden um den Titel der größten Energiesparer helfen, den sozialen Druck auf notorische Energieverschwender zu erhöhen. Das sei wie im Fußball, sagt der Ökonom: „Ein Team spielt mannschaftsdienlicher, wenn es um den Pokal geht.“

Quelle: idw, Bild: Getty
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