Die Sterne lügen

14. Juli 2016
 

Eddy hat sich eine Hülle gekauft, die sein Smartphone vor Schäden schützen soll. Er ist nicht zufrieden. Das teilt er auf der Seite eines Onlinekaufhauses auch anderen Interessierten mit: „Leider verfärbt sich die transparente Hülle sehr schnell ins Gelbliche.“

Wie hilfreich ist Eddys Meinung für andere Menschen? Wohl nicht sehr, meinen die Marketingexperten Bart de Langhe, Philip Fernbach und Donald Lichtenstein von der Universität von Colorado in Boulder. Denn der Zusammenhang zwischen Nutzerbewertungen und tatsächlicher Qualität sei nur schwach ausgeprägt.

Zu diesem Schluss kamen de Langhe und seine Kollegen, indem sie die Bewertungen für 1200 Produkte eines Versandhändlers mit den Einschätzungen der Zeitschrift Consumer Reports – einer Art amerikanischer Stiftung Warentest – verglichen. Dabei griffen die Forscher jeweils zwei Artikel zufällig heraus. Anschließend prüften sie, ob die Ware mit der höheren Durchschnittsbewertung auch bei systematischen Tests besser abgeschnitten hatte. Ziemlich oft war das nicht der Fall. Insgesamt waren Nutzer und Consumer Reports nur in 57 Prozent der Fälle einer Meinung. Man hätte also eine Münze werfen können und wäre häufig zum gleichen Ergebnis gekommen.

Eine Ursache für die ungenauen Nutzereinschätzungen liegt offenbar darin, dass die Käufer sich vom Preis blenden ließen. Denn sofern alle objektiv feststellbaren Eigenschaften zweier Produkte gleich waren, schnitt das teurere besser ab – zu unrecht.

JK

Originalstudie:
Bart de Langhe, Philip M. Fernbach, Donald R. Lichtenstein: Navigating by the stars: Investigating the actual and perceived validity of online user ratings. Journal of Consumer Research, 42, 2016, 817–833. DOI: 10.1093/jcr/ucv047

 

Dieser Beitrag ist in der aktuellen August-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema: Die Harmonie-Lüge: Zu viel Einigkeit lähmt. Konflikte bringen uns weiter.

 

 

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