Optimisten leben länger

21. April 2017
 

Wer an das Gute glaubt, ist besser gewappnet für schlechte Zeiten: Laut einer aktuellen Studie mindert eine positive Haltung zum Leben sogar das Risiko, an einer Volkskrankheit zu versterben.

Ist für Sie das Glas eher halbvoll als schon halbleer? Sieht die Zukunft in Ihren Augen rosig aus? Dann leben Sie vielleicht länger als ein missmutiger Mitmensch. Wer positiv nach vorne blickt, stirbt seltener an typischen Volkskrankheiten, legt nun eine umfassende Studie der Harvard-Universität nahe.

Die Sozialwissenschaftler werteten die Daten von mehr als 70.000 Frauen aus den USA aus. Diese wurden zwischen 2004 und 2012 alle zwei Jahre zu ihrem Befinden und aktuellen Beschwerden befragt, aber auch danach, wie optimistisch sie durchs Leben gehen.

Zuversicht schützt, Skepsis schadet

Zu Beginn der Studie waren die Frauen im Durchschnitt bereits 70 Jahre alt. Die meisten hatten gesundheitliche Probleme, wie etwa einen hohen Cholesterinspiegel, Bluthochdruck oder Diabetes. Einige hatten einen Schlaganfall hinter sich oder bei ihnen war Krebs diagnostiziert worden.

Ob diese Erkrankungen auftraten und zum Tode führten, hing, wie sich zeigte, auch mit der Lebenseinstellung zusammen. Frauen, die von sich sagen konnten: "Selbst in unsicheren Zeiten rechne ich meist mit dem Besten", waren tatsächlich besser geschützt als jene, die eher skeptisch durchs Leben gingen.

Die Frauen mit dem stärksten Optimismus hatten in den folgenden Jahren ein um 38 Prozent geringeres Risiko als sehr pessimistische Frauen, an einer Herzkrankheit oder einem Schlaganfall zu versterben. Auch starben sie um 37 Prozent seltener an einer Lungenerkrankung und um 16 Prozent seltener an Krebs.

Direkter Einfluss aufs Immunsystem

Dies hing nicht davon ab, ob die Frauen aus besserem Hause stammten, gut ausgebildet waren, sich gesünder ernährten, Sport trieben oder zu Beginn gute Cholesterin- und Blutdruckwerte aufwiesen. Die Daten zeigen: Diese Faktoren halfen auch, gesund zu bleiben. Doch sowohl die gesund als auch die weniger gesund lebenden Frauen mit Zuversicht verstarben seltener an einer der Volkskrankheiten.

Die Forscher vermuten, dass Optimismus einen "direkten Einfluss auf das biologische System hat". Frühere Studien hätten bereits gezeigt, dass Daseinsfreude die Immunabwehr stärkt und Männer wie Frauen vor Herz-Kreislauf-Schäden schützt.

Die Autoren empfehlen deshalb, den positiven Blick nach vorn zu trainieren, etwa indem man sich seine Zukunft besonders rosig ausmalt und das einfach mal aufschreibt.

Jana Hauschild/EMT

DOI: 10.1093/aje/kww182 (Abstract)

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 05/2017 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Nichts zu bereuen" - übrigens unsere 500. Ausgabe mit einem lesenswerten Jubiläumsdossier! Weitere Meldungen zu interessanten aktuellen Studien finden Sie im Heft unter anderem in den Rubriken Themen & Trends sowie Körper & Seele.

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