Schlaf ist für viele ein Geheimnis
Was geschieht mit uns, während wir schlafen? Darüber herrscht bei vielen Deutschen Unwissenheit. Dies ergab eine Forsa-Umfrage zum Tag des Schlafes am 21. Juni 2011. Zwar ist gut die Hälfte der Deutschen mit ihrer durchschnittlichen Schlafdauer zufrieden. Dennoch gaben zwei Drittel der Befragten an, wenig oder überhaupt nichts über psychische und körperliche Vorgänge während des Schlafs zu wissen.
Tauchen Ein- oder Durchschlafprobleme auf, setzen 68 Prozent der Befragten auf Ablenkung: Buch und Zeitung sind dabei die beliebtesten Hilfsmittel, gefolgt von Fernsehen und Musikhören. Nur 16 Prozent versuchen, mithilfe von Medikamenten oder Hausmitteln in den Schlaf zu finden. Gut ein Drittel der Deutschen lässt sich von kurzzeitiger Schlaflosigkeit jedoch nicht aus der Ruhe bringen, sondern wartet einfach ab, bis der Schlaf von selbst kommt.
Die meisten Deutschen wissen zwar grundsätzlich um die wichtige Rolle des Schlafes für die Gesundheit: 74 Prozent sind der Meinung, dass Schlafmangel gesundheitliche Probleme hervorrufen kann – was auch stimmt. „Wir wissen heute, welche Auswirkungen Störungen des Schlafes oder chronischer Schlafentzug, für den wir durchaus selbst verantwortlich sind, haben können“, sagt Dieter Kunz, Chefarzt der Abteilung für Schlafmedizin im St. Hedwig-Krankenhaus Berlin. „So treten zum Beispiel Depression, Burnout und das metabolische Syndrom mit Bluthochdruck, Diabetes und Fettleibigkeit häufiger im Zusammenhang mit schlafbezogenen Störungen auf.“
Bei regelmäßigen Ein- oder Durchschlafproblemen halten 57 Prozent der im Rahmen des Wissenschaftsjahres Befragten ärztliche Hilfe für notwendig. Jedoch gab nur ein Drittel der Teilnehmer an, sehr gut oder gut über körperliche und psychische Vorgänge während des Schlafs Bescheid zu wissen. 62 Prozent fühlen sich darüber weniger gut informiert. „Es gilt, die Erkenntnisse, die wir in der Schlafforschung gewinnen, auch der Öffentlichkeit stärker deutlich zu machen“, kommentiert Kunz. „Wenn wir in der Schlafforschung die Menschen nachts im Labor untersuchen und ihnen dann mitteilen, was während des Schlafs mit ihnen passiert, sind sie häufig sehr überrascht.“
„Viele Studien zeigen, welche weit unterschätzte Bedeutung der Schlaf hat. Jedes Kleinkind weiß das instinktiv – wir Erwachsenen beachten das aber nicht“, sagt der Schlafforscher. Der moderne Lebenswandel habe den natürlichen Umgang mit dem Schlaf verändert. „Wir sind ursprünglich dafür gebaut, draußen zu sein, wo es tagsüber richtig hell und in der Nacht schwarz ist. In vielen Gegenden Deutschlands ist es aber nachts nicht mehr dunkel.“
Auf der anderen Seite verzögere der Mensch selbst den Schlaf, indem er sich bis spät in die Nacht mit Unterhaltungsangeboten zerstreue. Das natürliche Gefühl für den richtigen Zeitpunkt gehe damit verloren, sagt Kunz. Tauchten dann Schlafprobleme auf, wüssten viele Menschen nicht, dass diese Schwierigkeiten oft mit ihren Lebensgewohnheiten in Verbindung stünden.
Die Umfrage zu den Schlafgewohnheiten der Deutschen fand im Rahmen des Wissenschaftsjahres Gesundheitsforschung statt. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gemeinsam mit der Initiative „Wissenschaft im Dialog“. Seit 2000 dienen sie als themenbezogene Bühne für den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft und haben dabei vor allem junge Menschen im Blick. Mehr dazu: www.forschung-fuer-unsere-gesundheit.de
Quelle: Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2011
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