Schlaf schützt benachteiligte Kinder

18. Mai 2010
 

Kinder benötigen ruhigen, erholsamen Schlaf. Vor allem für Jungen und Mädchen aus benachteiligten Familien ist Schlaf ein wichtiger Stresspuffer gegen die Belastungen des Alltags, wie jetzt eine Beobachtungsstudie der Auburn University im US-Bundesstaat Alabama zutage förderte.

Die Wissenschaftler um Mona El-Sheikh verfolgten den Werdegang von 140 Kindern von der dritten bis zur fünften Schulklasse. Sie stammten aus sehr unterschiedlichen Familienverhältnissen, was das Einkommen und die Bildung der Eltern anging. Die Untersucher beobachteten die emotionale Entwicklung und das Verhalten dieser Kinder und gingen insbesondere der Frage nach, welche Rolle die Schlafqualität dabei spielte. Die Forscher verließen sich nicht allein auf Fragebögen, sondern zeichneten zusätzlich die Nachtruhe der Kinder mithilfe von Bewegungssensoren auf. Erfasst wurden die Dauer, das Muster, die Unterbrechungen und die Erholsamkeit des Schlafes.

Wie sich herausstellte, hatte ein schlechter, unruhiger Schlaf vor allem bei Kindern aus einkommensschwachen Elternhäusern fatale Auswirkungen: Unterprivilegierte Kinder, die schlecht schliefen, fielen häufig durch Verhaltensprobleme wie Aggression und Delinquenz auf, oder sie litten unter psychischen Schwierigkeiten wie Depressionen, Ängsten und dem Gefühl, nichts wert zu sein. Hingegen waren Risikokinder, die gut schliefen, emotional ebenso ausgeglichen wie Altersgenossen aus unproblematischen Familienverhältnissen.

Die Forscher vermuten, dass schlechter Schlaf bei Kindern aus gefährdeten Familien ein Signal dafür ist, dass sie in ihrem Alltag vielfältigen Stressoren wie etwa Gewalt oder Schulproblemen ausgesetzt sind. Umgekehrt macht ein erholsamer Schlaf diese Kinder ausgeglichener und bietet so offenbar einen gewissen Schutz vor sozialem Stress und Anpassungsproblemen.

Diese Erkenntnis sollte zum Beispiel in Erziehungsprogramme einfließen, fordert Familienforscherin El-Sheik. Immer deutlicher zeige sich, wie wichtig guter Schlaf für die Tagesform, aber auch für die längerfristige seelische Entwicklung von Kindern sei.

Von Thomas Saum-Aldehoff Quelle: EurekAlert

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