Schöner schuften
Ein Foto an der Wand, eine Pflanze auf dem Tisch: Das sind die Utensilien, mit denen Angestellte gerne ihr Büro verschönern. Anstatt ihnen das zu verbieten, sollten Arbeitgeber eher froh über die Dekorationsfreude ihrer Mitarbeiter sein. Denn wer seinen Arbeitsplatz nach eigenen Vorstellungen gestalten darf, der ist gesünder und vor allem produktiver als jemand, dem das nicht erlaubt ist. Dies zeigt eine aktuelle Studienreihe aus Großbritannien.
Das Ergebnis widerspricht dem aktuellen Trend, Büros möglichst schlicht und puristisch auszustatten, um so eine einheitliche Firmenidentität zu betonen. „Viele moderne Büroräume sind sehr funktional und lassen den Angestellten kaum Gestaltungsmöglichkeiten. Doch unsere Ergebnisse legen nahe, dass diese Praxis in Zukunft überdacht werden sollte“, sagt der Psychologe Craig Knight von der University of Exeter.
Zusammen mit Alex Haslam hat er in drei Studien mit insgesamt über 2000 Probandinnen und Probanden den Zusammenhang zwischen Arbeitsplatzgestaltung und Produktivität untersucht. In einer Onlinebefragung wollten die Wissenschaftler zunächst wissen, wie viel Einfluss die Teilnehmer auf die Gestaltung ihres Arbeitsplatzes hatten und wie sie sich bei ihrer Tätigkeit fühlten.
Die Ergebnisse waren eindeutig: Je mehr Freiheit die Befragten bei der Herrichtung ihrer Arbeitsumgebung hatten, desto zufriedener und motivierter waren sie bei der Arbeit. Sie fühlten sich an ihrem Arbeitsplatz körperlich wohler, identifizierten sich mehr mit ihrer Firma und hatten allgemein positivere Einstellungen zu ihrem Job.
In zwei weiteren Studien mussten die Versuchspersonen eine Reihe von Aufgaben in vier verschiedenen Arbeitsumgebungen ausführen: an kahlen und funktionalen Arbeitsplätzen, an mit Pflanzen und Bildern dekorierten Arbeitsplätzen, an komplett selbst gestalteten Arbeitsplätzen sowie an solchen, die zwar selbst gestaltet werden durften, dann aber von einem „Manager“ teilweise wieder umgeräumt wurden.
Auch hier zeigte sich die positive Wirkung der eigenen Gestaltungsmöglichkeit: Die Probanden, die ihre Arbeitsplätze mit Pflanzen und Bildern selbst dekorieren durften, waren um 17 Prozent produktiver als die an den kahlen und funktionalen Arbeitsplätzen. Und sogar um 32 Prozent produktiver waren diejenigen, die ihre Arbeitsstätte komplett selbst gestaltet hatten.
Es sei an der Zeit, so die beiden Wissenschaftler, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern mehr Freiheit bei der Gestaltung ihres Arbeitsplatzes einräumen. „Das Bürodesign hat nicht nur einen Einfluss darauf, ob Menschen bei der Arbeit der Rücken wehtut, sondern auch darauf, wie viel sie leisten, wie viel Initiative sie zeigen und wie zufrieden sie mit ihrer Arbeit sind“, betont Haslam.
Von Anke Römer Quelle: EurekAlert
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