Selbst das Glück braucht Abwechslung

21. Dezember 2017
 

Glück fördert die Gesundheit und das Wohlbefinden – soweit die gängige Annahme. Doch Glück allein reicht nicht. Der Mensch ist nicht für eindimensionale Gefühlswelten geschaffen. Ein Forscherteam um den Amerikaner Anthony Ong von der Cornell-Universität stellt fest: Es ist die Vielfalt positiver Emotionen, die erfreuliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat.

Die Forscher haben sich dafür sogar schon einen Fachbegriff ausgedacht: „Emodiversität“. Ein reiches Gefühlsleben, das nicht nur aus Einheitsglück, sondern auch aus Stolz, Freude, Spaß, Zufriedenheit und vielem mehr besteht, tut jedem von uns auch körperlich gut.

Die Untersucher luden 175 Teilnehmer im Alter von 40 bis 65 Jahren ein, einen Monat lang am Ende jedes Tages zu vermerken, welche von insgesamt 32 verschiedenen Emotionen sie im Laufe des Tages erlebt hatten. Außerdem wurden ihnen Blutproben entnommen und auf Entzündungsparameter hin untersucht. Langfristig erhöhte Entzündungswerte können unter anderem chronische Erkrankungen wie Diabetes und Arteriosklerose begünstigen – und zu einem vorzeitigen Tod führen. „Positive Emodiversität scheint ein Stück weit davor zu schützen“, beobachten die Forscher. Denn Probanden, die täglich ein größeres Spektrum schöner Gefühle erlebten, wiesen geringere Entzündungswerte auf.

Eine Vielfalt schöner Gefühle

Die Forscher dokumentierten die positive Wirkung losgelöst von der Persönlichkeit und dem Gewicht ihrer Probanden, ebenso unabhängig von der Einnahme entzündungshemmender Medikamente und körperlicher Erkrankungen. „Unsere Erkenntnisse weisen auf die besondere Rolle hin, die tägliche positive Emotionen für unsere biologische Gesundheit spielen“, summieren die Wissenschaftler – aber vielfältig sollten diese Gefühle eben sein.

Der genaue Zusammenhang ist allerdings noch unklar. Es wäre etwa möglich, dass Menschen, die eine größere Vielfalt schöner Emotionen erleben, schlicht mehr auf ihre Gesundheit achten und dadurch besser vor Entzündungen geschützt sind.

Anna Gielas

Anthony D. Ong, Lizbeth Benson, Alex J. Zautra, Nilam Ram: Emodiversity and biomarkers of inflammation. Emotion (APA), 2017. DOI: 10.1037/emo0000343

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