Selbstdisziplin entscheidet über gute Noten
Die meisten haben es vermutlich schon geahnt – vielleicht sogar gehofft oder befürchtet: Der Intelligenzquotient (IQ) ist gar nicht so entscheidend für ein gutes Zeugnis in der Schule. Viel wichtiger ist die Selbstdisziplin eines Schülers, wie jetzt eine amerikanische Studie erbrachte.
„Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass Selbstdisziplin in der Tat einen größeren Einfluss auf die akademische Leistung hat als intellektuelles Talent“, resümieren Angela Duckworth und Martin Seligman. Die Forscher von der University of Pennsylvania untersuchten bei 13- bis 14-Jährigen, wie sich Selbstdisziplin und Intelligenz auf ihre Noten auswirkten. Dazu mussten die Teenager einen Fragebogen ausfüllen und mehrere Tests machen, zum Beispiel zu ihrer Fähigkeit, Belohnungen aufzuschieben. Außerdem wurden Eltern und Lehrer befragt.
Die Leistungen eines Schülers ließen sich besser durch seine Selbstdisziplin als durch seinen Intelligenzquotienten vorhersagen. Ob Kinder gut oder schlecht in der Schule sind, scheint also eher dadurch bestimmt zu sein, ob sie ihre Impulse im Zaum halten können, als durch ihre intellektuellen Fähigkeiten. Außerdem steigerten sich selbstdisziplinierte Schüler am wahrscheinlichsten im Laufe eines Schuljahres, während der IQ keinen Einfluss darauf hatte, ob sich ein Teenager verbessern würde oder nicht.
„Die Schüler mit viel Selbstdisziplin waren in jeder Messung der Schulleistung besser als ihre impulsiveren Altersgenossen“, schreiben die Untersucher. Die Disziplinierten hatten bessere Noten, schnitten in den Tests besser ab und erhielten eher eine Zulassung für eine weiterführende Schule. Außerdem fehlten sie seltener im Unterricht, sahen weniger fern, sie fingen früher am Tag mit ihren Hausaufgaben an und verbrachten dann mehr Zeit damit.
Wenn Schüler schlechte Leistungen bringen, werde dies häufig auf schlechte Lehrer, langweilige Schulbücher oder große Klassen geschoben, schreiben Duckworth und Seligman. Sie sehen nun noch jedoch einen anderen, gewichtigen Grund dafür, „dass Schüler hinter ihrem intellektuellen Potenzial zurückbleiben: ihr Unvermögen, Selbstdisziplin auszuüben“. Die Untersucher glauben, dass viele Kinder heute Probleme damit haben, ein kurzes Vergnügen für einen längerfristigen Gewinn zu opfern.
Von Christine Seiger
Quelle: Angela L. Duckworth, Martin E. P. Seligman: Self-discipline outdoes IQ in predicting academic performance of adolescents. Psychological Science, Bd. 16/12, 2005
Neu im Shop
Sex@mour - Jean-Claude Kaufmann
Jean-Claude Kaufmann und Eva Illouz beleuchten den Wandel unseres Liebeslebens. Uneins sind sie in der Frage, ob wir in Zeiten des Internets eine neue Ethik brauchen.
Aboservice
Jahres-, Studenten- oder Geschenkabo: Sie wählen Ihr Abonnement – wir bieten interessante Prämien! Zum Abo-Shop.




