Speed-Dating: Frauen sind doch nicht wählerischer
Frauen sind bei der Partnerwahl kritischer als Männer – so glaubte man. Die Annahme bestätigte sich auch beim Speed-Dating immer wieder, einem Kennenlerntreff, bei dem sich jeder teilnehmende männliche Single jeweils für wenige Minuten mit jedem weiblichen Single unterhält.
Dabei wollen Männer im Schnitt die Hälfte aller Frauen wiedersehen, die sie auf der Veranstaltung kennengelernt haben, Frauen hingegen nur gut ein Drittel der Männer. Dieses Verhalten fanden Forscher bislang durchaus plausibel: Da Frauen im Falle einer Schwangerschaft mehr in den Nachwuchs investieren, ist es für sie auch wichtiger, den richtigen Partner zu finden.
Den beiden Psychologen Eli Finkel und Paul Eastwick von der Northwestern University im US-Bundesstaat Illinois war allerdings aufgefallen, dass bei Speed-Datings nahezu immer die Männer von Tisch zu Tisch wandern, um sich mit den verschiedenen Frauen zu unterhalten. „Eine Veranstaltungsagentur begründete dieses Vorgehen damit, dass es den Frauen gegenüber galanter sei“, so Eastwick.
Doch genau diese Ritterlichkeit könnte die Ergebnisse der Treffen beeinflussen, vermuteten die beiden Forscher. Um ihre Annahme zu überprüfen, organisierten sie selbst ein Speed-Dating-Experiment mit 15 Runden und insgesamt 350 Teilnehmern. Bei acht der Treffen gingen wie üblich die Männer von Tisch zu Tisch, bei sieben waren es die Frauen.
Die herkömmliche Variante lieferte den typischen Geschlechterunterschied: Männer wollten 50 Prozent der Frauen kennenlernen, Frauen jedoch nur 43 Prozent der Männer. Durch den Rollentausch glich sich die Quote jedoch an: Jetzt waren es die Männer, die nur in 43 Prozent der Fälle Interesse hatten, während die Frauen 45 Prozent der Männer wiedersehen wollten.
Für dieses Ergebnis haben Finkel und Eastwick zwei mögliche Erklärungen. Die erste lautet, dass Menschen gewöhnlich Dinge für begehrenswerter halten, denen sie sich nähern. Einen Partner, auf den man aktiv zugeht, findet man demnach automatisch attraktiver.
Denkbar wäre aber auch, so die Forscher, dass die Männer bei der neuen Speed-Dating-Variante die herumgehenden Frauen einfach besser sehen und damit ihre körperliche Attraktivität genauer bewerten konnten.
Von Anke Römer
Quelle: www.wissenschaft.de
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