Spoiler-Alarm? Ja, bitte!

13. März 2015
 

Blättern Sie bei der Lektüre eines spannenden Romans gerne vor? Gehen Sie auch dann gerne ins Kino, wenn Sie schon vorher wissen, wie der Film endet? Suchen Sie nach Anschauen Ihrer Lieblingsserie im Internet nach Lösungen für rätselhafte Verwicklungen, bevor die nächste Folge Aufklärung bringt?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit Ja beantwortet haben, gehören Sie zu den Menschen, für die der Hinweis „Spoiler-Alarm“ nicht zwangsläufig ein Grund zum Wegschauen ist. Für diese Personen ist ein Spoiler, anders als das Wort es nahelegt, kein Spaßverderber. Selbst wenn ein entscheidendes Detail einer Geschichte offenbart wird, trübt das ihre Freude, der Handlung zu folgen, nicht oder macht sie im Zweifel sogar größer.

Was unterscheidet solche Menschen von anderen, die die Spannung brauchen, um Spaß beim Lesen oder Zuschauen zu haben? Mit dieser Frage befassen sich die Kommunikationswissenschaftler Judith Rosenbaum von der Albany State University und der an der Freien Universität Amsterdam tätige Benjamin Johnson.

Wer gerne knobelt, verzichtet lieber auf Spoiler

In einem aktuellen Beitrag der Zeitschrift Psychology of Popular Media Culture schildern die Forscher ein Experiment mit 368 Teilnehmern, in dem sie anhand der Rezeption von Kurzgeschichten geprüft haben, inwieweit die zwei Persönlichkeitsmerkmale Need for Cognition und Need for Affect die Einstellung zu Spoilern beeinflussen. Need for Cognition bezeichnet dabei das individuelle Bedürfnis nach kognitiver Beanspruchung, also jemandes Freude, intensiv über Dinge nachzudenken. Need for Affect steht für das Ausmaß der Annäherung an Situationen oder Stimuli, die Gefühle auslösen.

Bei der Untersuchung zeigte sich: Personen, die sehr gerne knobeln, entschieden sich ungern für Kurzgeschichten, deren Ausgang sie kannten. Alle anderen ließen sich davon nicht abschrecken, sondern befürworteten die Hinweise sogar. Die Freude beim Lesen blieb – anders als von den Forschern erwartet – von der Need-for-Cognition-Ausprägung aber ebenso unbeeinflusst wie die Intensität, mit der die Testleser sich in die Handlung hineingezogen fühlten. Ist diese gut erzählt, kann es eben offenbar auch spannend sein, Konflikte zu verfolgen, deren Lösung man bereits kennt.

Probanden, die sich gerne emotional berühren lassen, hatten dagegen weniger Spaß an den mit Spoilern versehenen Short Stories. Einen Einfluss darauf, ob sie sich entschieden, eine solche Geschichte anstatt einer anderen zu lesen, hatte der Geheimnisverrat bei diesen Probanden aber nicht, und auch das Gefühl des Eintauchens blieb unberührt. Rosenbaum und Johnson mutmaßen, dass die größere Freude beim Lesen der „unverdorbenen“ Erzählungen sich hier aus dem höheren Arousal ergibt: Je spannender die Geschichte, desto größer die Aufregung.

Auch die Lesehäufigkeit hatte einen Einfluss: Personen, die angaben, Romane „sehr oft“ zum Vergnügen zu lesen, genossen Geschichten ohne Spoiler mehr. Möglicherweise, weil für solche Menschen Elemente der Überraschung und Ungewissheit zentral sind beim Lesen, vermuten die Forscher – oder weil sie aufgrund der häufigen Lektüre bei jedem Lesen nach etwas Neuem verlangen.

Das Gefühl der Verbundenheit zur Geschichte kann eine Rolle spielen

Als Nächstes untersuchen Rosenbaum und Johnson Spoiler bei Filmen und Serien. Dabei wollen sie auch den Einfluss des Wissens prüfen, also zum Beispiel wenn jemand vor dem Anschauen der Verfilmung die zugrundeliegenden Bücher gelesen hat. Dass das Gefühl der Verbundenheit zur Geschichte, der Fan-Status, eine wichtige Rolle bei der Einstellung zu Spoilern spielen kann, beobachten die Wissenschaftler auch an sich selbst.

Benjamin Johnson etwa erinnert sich, dass er bei der letzten Staffel von Lost aktiv nach Hinweisen auf den Serienverlauf gesucht hat. „Ich tendiere immer dann dazu, wenn die Handlung komplizierter ist – oder ich sehr gespannt bin auf das Ende“, sagt er.

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