Stillende Mütter sind auf Freude programmiert

14. November 2014
 

Stillen ist nicht nur Nahrungsaufnahme. Stillen ist ein Wechselspiel zwischen Mutter und Kind, bei dem die Bindung zwischen den beiden gestärkt wird. Und das ist nur eine der Wirkungen. Wissenschaftler der Max-Planck-Forschungsgruppe „Frühe soziale Entwicklung haben nun herausgefunden, dass das Stillen die Wahrnehmung von Emotionen bei Müttern beeinflusst. Mütter, die ihr Baby über längere Zeit ausschließlich stillen, erkennen demnach positive Emotionen wie Freude oder Glück schneller als andere Mütter. Dafür sind sie weniger empfänglich für negative Eindrücke wie etwa Ärger.

An der Studie unter der Leitung von Kathleen Krol haben mehr als 60 Mütter von Kindern im Alter zwischen fünf und sieben Monaten teilgenommen“, so Krol. Mit Fragebögen wurde die Häufigkeit und der Anteil der täglichen Stillmahlzeiten, aber auch andere mögliche Einflüsse auf das kindliche Temperament, mütterliche Gefühle und die Empathie zwischen den beiden erfasst.

Anschließend wurden den Müttern im Labor Gesichter auf einem Bildschirm präsentiert. Diese bestanden aus neutralen Farbfotografien von zwölf Schauspielern, die sich innerhalb von drei Sekunden aus einem neutralen in einen Ausdruck von entweder Ärger, Freude, Angst, Traurigkeit oder Ekel verwandelten. Sobald die Mütter die Emotion im Gesicht der Person auf dem Bildschirm erkannten, sollten sie eine entsprechende Taste auf dem Keyboard drücken. Dabei maßen die Wissenschaftler, wie schnell und genau die Frauen die verschiedenen Emotionen erfassten.

Die Ergebnisse bestätigten die Vermutung, dass häufigeres Stillen mit größerer Sensitivität gegenüber fröhlichen Minen und reduzierter Sensitivität gegenüber negativen Eindrücken – insbesondere Ärger – einhergeht. Je höher der Stillzeitenanteil war, desto langsamer waren die Reaktionszeiten auf negative Ausdrücke. Diese Befunde deuten darauf hin, dass das Stillen zum einen die Sensitivität auf positive emotionale Signale erhöht und gleichzeitig die Empfindlichkeit gegenüber aggressiven Signalen von Ärger reduziert. „Zu vermuten ist“, so Kathleen Krol, „dass hierbei das Hormon Oxytocin eine besondere Rolle spielt, da in vorangegangen Studien eine Verabreichung von Oxytocin ähnliche Effekte auf die emotionale Verarbeitung wie das Stillen bewirkte.“

Stillen ist ein komplexer Vorgang, der mit körperlichen und psychischen Veränderungen sowohl bei Kindern als auch bei Müttern einhergeht. Unter anderem ist belegt, dass Stillen den Puls und den Blutdruck senkt. „Mütter berichten in diesem Zusammenhang von weniger Stress, selteneren negativen Stimmungen oder Ängsten, erklärt Kathleen Krol.

„Es bedarf mehr systematischer Untersuchungen um zu verstehen, was genau die in der Studie belegten Effekte verursacht“, erklärt Krol. Dazu will die Max-Planck-Forscherin nun das hormonelle, genetische und hirnphysiologische Geschehen rund ums Stillen in den Blick nehmen.

Quelle: Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften
Originalarbeit:
K. Krol, S. Kamboj, V. Curran, T. Grossmann: Breastfeeding experience differentially impacts recognition of happiness and anger in mothers. Nature Scientific Reports, 12.11.2014, DOI:10.1038/srep07006

 

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