Ruhe, bitte!

22. Dezember 2016
 

Sich gemütlich hinsetzen und in aller Ruhe ein Buch lesen – danach sehnen sich die meisten von uns. Das fanden britische Forscher in einer großen international angelegten Studie heraus. Die Wissenschaftler um Felicity Callard von der Durham University fragten dabei mehr als 18.000 Menschen aus 134 Ländern, ob sie genügend Entspannung erleben. „Mehr als zwei Drittel unserer Teilnehmer wünschten sich mehr Muße“, fasst die Leiterin der Studie zusammen.

Die Probanden sollten ebenfalls angeben, bei welchen Aktivitäten sie besonders gut zur Ruhe kommen. Lesen wurde dabei am häufigsten genannt. Als Zweites folgte der Aufenthalt in der Natur: Etwa 53 Prozent der Teilnehmer gaben an, beispielsweise bei einem Spaziergang im Park gut entspannen zu können. Auch Musikhören zählt zu den beliebtesten Optionen, um zum inneren Gleichgewicht zurückzufinden.

Callards Team fand bei der Auswertung auch einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Ruhepausen und dem allgemeinen Wohlbefinden der Befragten. „Je weniger Ruhezeit der Einzelne hatte, umso schlechter war es um sein körperliches und geistiges Wohl bestellt“, sagt Callard. Bei der Auswertung fiel den Forschern zudem auf, dass sich die meisten Personen bei solchen Aktivitäten am besten erholten, bei denen sie für sich und ungestört sein konnten. Deswegen betonen die Wissenschaftler auch die Wichtigkeit des Alleinseins für Ruhe und Regeneration. „Ohne störende Einflüsse von außen gaben sich unsere Teilnehmer gerne ihren Tagträumen hin und fanden so neue Energie und Kraft“, sagt Callard.

Beunruhigend sei allerdings der empfundene Mangel an Ruhezeit, der vielen Probanden zu schaffen macht. „Ein Drittel unserer Freiwilligen gab an, sie bräuchten viel mehr Ruhe, als sie momentan bekämen“, berichtet die Forscherin. Schade, dass diese Personen nicht mal eben mit den rund zehn Prozent der Befragten tauschen können, die angaben, mehr Entspannung zu erleben, als sie eigentlich benötigen.  Anna Gielas

http://hubbubresearch.org/rest-test-results/

Dieser Beitrag ist in der aktuellen Januar-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema: Gelassen bleiben. Die Kunst, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen

 

 

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