Vegetarier ticken anders

02. März 2018
 

Wie unterscheiden sich Fleischesser und Fleischverzichter? Laut einer aktuellen Studie scheint sich die Ernährungsweise auch auf das politische Interesse auszuwirken – oder umgekehrt.

Gänzlich auf Fleisch oder tierische Produkte zu verzichten finden manche absonderlich. Doch sind es die Menschen, die sich so ernähren, auch? Tatsächlich unterscheiden sie sich – aber eher auf angenehme Weise – in einigen Eigenschaften von den fleischessenden Zeitgenossen.

Das ergaben zwei repräsentative Untersuchungen mit jeweils rund 5000 Deutschen zwischen 17 und 96 Jahren. Psychologen der Universität Mainz fragten die Bürger nach ihren Essgewohnheiten, untersuchten Persönlichkeit, politische Haltung sowie den Lebensstandard.

Weiblich, jung, gebildet

In der ersten Erhebung gaben drei Prozent der Teilnehmer an, ausschließlich vegan oder vegetarisch zu speisen. Darunter waren dreimal so viele Frauen wie Männer. Die Gruppe war zudem deutlich jünger und hatte im Schnitt einen höheren Bildungsabschluss als die fleischessenden Teilnehmer.

Wer auf Fleisch und tierische Produkte verzichtete, zeigte auch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale: Die Personen waren offener für neue Erfahrungen, weniger konservativ und hatten mehr Vertrauen in ihre Mitmenschen. Zudem schienen sie politisch interessierter als Probanden, die Fleisch aßen.

Diese Befunde wurden auch einer weiteren Erhebung bestätigt. Die Definition für Vegetarier wurde darin etwas weiter gefasst. Es zählte dazu, wer vorwiegend vegetarisch oder vegan speiste – in dieser Studie knapp sechs Prozent aller Deutschen. Wieder waren es vor allem die Frauen, die offeneren Gemüter, die politisch Interessierteren und weniger Konservativen.

Fleischkonsum als soziale Norm

„Fleischkonsum ist in westlichen Gesellschaften Teil einer Tradition, einer sozialen Norm. Wir nahmen daher an, dass eine vegetarische Ernährung mit der politischen Haltung verknüpft ist. Unsere Studien haben das bestätigt“, erläutern Tamara Pfeiler und Boris Egloff.

Was zuerst da war, die Geisteshaltung oder die Ernährungsweise, darüber können die Studienautoren allerdings keine Aussagen machen. Was Fleischesser aber vielleicht beruhigt: Gesünder scheint die fleischlose Kost nicht zu sein. Zumindest waren die Vegetarier nicht zufriedener mit ihrer Gesundheit als alle anderen Befragten.

Jana Hauschild/ emt

Tamara M. Pfeiler, Boris Egloff, Examining the „Veggie“ personality: Results from a representative German sample. Appetite, 120, 2018, 246–255. DOI: 10.1016/j.appet.2017.09.005 (Abstract)

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 03/2018 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema „Heilkraft Meditation“.

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