Viel Arbeit, wenig Leben

25. Juli 2011
 

Nicht nur erwerbstätigen Müttern fällt es schwer, Arbeit und den „Rest“ des Lebens unter einen Hut zu bekommen. Immer mehr Menschen macht das zu schaffen: Die Arbeit frisst oft so viel Zeit und Nerven, dass für das Privatleben nicht mehr genug Kraft übrig bleibt. In den Betrieben ist inzwischen angekommen, dass dieses Ungleichgewicht auch auf die Arbeit selbst zurückschlägt: Nicht nur die Beschäftigten „haben ein Problem“, auch die Unternehmen.

Dies sind erste Ergebnisse einer Trendanalyse des Forschungsprojekts „Lanceo – balanceorientierte Leistungspolitik“. In dem vom Bundesforschungsministerium geförderten und vom Projektträger „DLR/Arbeitsgestaltung und Dienstleistungen“ betreuten Forschungsprojekt untersucht ein interdisziplinäres Team, wie betriebliche Anforderungen einerseits und die Ressourcen und Bedürfnisse der Beschäftigten andererseits besser miteinander in Einklang gebracht werden können. Lanceo hat nun eine erste Trendanalyse auf der Basis einer Online-Befragung von Beschäftigten („Balance-Check“) und qualitativer Interviews mit Experten („Trend-Scout“) vorgelegt.

Die Ergebnisse zeigen: Work-Life-Balance ist ein gesellschaftlich sehr hoch bewertetes Thema – und zugleich eines, das Beschäftigten und Betrieben erhebliche Probleme bereitet. Viele Beschäftigte erleben Arbeit und Privatleben als wechselseitig bereichernd, es ist aber auch von großen Problemen die Rede. Diese gehen meistens von der Arbeit aus: Die Arbeit frisst so viel Zeit, aber auch so viel Nerven, dass für das „Leben“ nicht genug übrig bleibt.

Das ist nicht allein ein Problem erwerbstätiger Mütter, wie es oft unter dem gängigen Etikett „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ gefasst wird. In allen Beschäftigtengruppen berichteten die Befragten von negativen Auswirkungen der Arbeit auf ihr Privatleben. Abhängig ist diese Erfahrung in erster Linie von den Arbeitsbedingungen, etwa von hoher Arbeitsintensität und häufigen ungeplanten Arbeitsunterbrechungen. Und eine gestörte Work-Life-Balance schlägt wiederum auf die Arbeit zurück: Wer starke Konflikte zwischen Arbeit und Leben erfährt, wird auch den Erwartungen im Betrieb weniger gerecht.

Auch die Betriebe spüren das. Bei abgeschmolzenen Puffern, dünner Personaldecke und hohem Zeitdruck wirkt sich eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit schnell auf die Produktivität und die Qualität der Arbeit aus. Deshalb greifen Firmen inzwischen zunehmend von sich aus das Thema Work-Life-Balance auf. Die eingeleiteten Gestaltungsmaßnahmen seien aber oft entweder sehr spezifisch (etwa: Betriebskindergärten) oder richteten sich vor allem an privilegierte, besonders auf dem Arbeitsmarkt gesuchte Arbeitskräfte, kritisieren die Lanceo-Wissenschaftler.

Zu wenig werde bislang bei den Leistungsanforderungen selbst angesetzt. Besonders wenn die Leistungspolitik „maßlos“ werde, führe dies zu Überlastung, Demotivation, Fehlsteuerung und einer Beeinträchtigung der Balance zwischen Arbeit und Leben. Allerdings, so räumt die Forschungsgruppe ein, sei in den Betrieben durchaus einiges in Bewegung, gerade auf dem Gebiet der leistungsorientierten Bezahlung.

Eine Broschüre zur Trendanalyse ist zum Download erhältlich unter: www.lanceo.de/files/lanceo_brosch__re_lay_v3_downloadversion.pdf

Quelle: idw
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