Warp-Antrieb und Robotergesetze für den Unterricht

23. November 2012
 

Nicht nur in Deutschland wird über mangelnden Nachwuchs an Naturwissenschaftlern und Technikern geklagt. Schon in der Schule interessieren sich zu wenige Jungen und noch weniger Mädchen für diese Fächer. Gesucht wird also nach didaktischen Fünkchen, die bei den Jugendlichen die Wissbegierde entfachen könnten. Zwei Lernforscher aus Spanien glauben nun, einen geeigneten Funkenspender entdeckt zu haben: Science-Fiction-Storys, am besten in Form von Filmen.

Francisca Petit und Jordi Solbes von der Universität Valencia befragten 173 Sekundarstufenschüler danach, wie gut sie sich in der Science Fiction auskennen und was sie von diesen Romanen und Filmen halten. Sie stellten fest, dass zwar Glanzstücke des Genres wie 2001 – Odyssee im Weltraum oder Blade Runner dem Jungvolk kaum noch ein Begriff sind. Doch actiongeladene Filme wie die Krieg der Sterne-Saga, Matrix oder X-Men waren unter den Schülern sehr bekannt und beliebt.

Überwiegend wohlwollend gegenüber den fantastischen und utopischen Geschichten waren auch die 56 ebenfalls befragten Lehrkräfte eingestellt, die sich in der Science Fiction sogar deutlich besser auskannten als ihre Eleven. Vielen waren nicht nur die gängigen Blockbuster, sondern auch Klassiker wie Fritz Langs Metropolis vertraut, und sie kannten den Stoff nicht nur aus Filmen, sondern ebenso aus Romanen und Fernsehserien. 38 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer waren überzeugt, dass etwa Raum- und Zeitreisegeschichten mit ihren imaginären Apparaturen und Erfindungen bei den Schülern durchaus das Interesse an Naturwissenschaften und die Motivation für diese Fächer anfeuern würden. Dennoch fand Science Fiction im Unterricht nicht statt.

Das mag vor allem an den Lehrbüchern liegen, wie Petit und Solbes vermuten. Sie analysierten Lehr-, Unterrichts- und Arbeitsbücher sowie CD-ROMs für Physik, Chemie, Biologie, Geologie und Technik. Von 31 untersuchten Lehrbüchern für die Sekundar- und Oberstufe fand sich bei 22 kein einziger Verweis auf Science-Fiction-Inhalte, weder im Text noch in den Illustrationen, Kommentaren, Übungen oder Internet-Links.

Auch in den restlichen neun Lehrbüchern waren die Fingerzeige auf spleenig-utopische Abenteuergeschichten rar gesät. „Der auffälligste Verweis war ein Foto von Superman in einem der Ergänzungstexte, in dem es um die (reale) Entdeckung des Minerals Jadarit ging, dessen chemische Formel der des fiktiven Minerals Kryptonit stark ähnelt“, erläutert Didaktikprofessor Jordi Solbes. Für Uneingeweihte sei erläutert: Kryptonit heißt das legendäre vernichtende Element von Supermans zerstörtem Heimatplaneten Krypton. Weiß doch jeder!

An einer anderen Lehrbuchstelle entdeckten die beiden Forscher ein Foto des Raumschiffs Enterprise. Es zierte einen Text, in dem es um die Energiequellen von Schiffen und U-Booten ging. Und in einer Arbeitsaufgabe wurde gefragt, wie schnell sich die radförmige Raumstation aus dem 2001-Film um die eigene Achse drehen muss, um für ihre Bewohner per Fliehkraft exakt die Gravitation der Erde zu simulieren. Ein anderes der begutachteten Techniklehrbücher erwähnt verdienstvollerweise die drei allbekannten Robotergesetze des Science-Fiction-Autors Isaac Asimov. Für die, denen sie momentan gerade nicht präsent sind, hier in Kürze zur Auffrischung:

1.  Ein Roboter darf ein menschliches Wesen nicht töten, verletzen oder ihm Schaden zufügen.
2.  Ein Roboter muss menschlichen Befehlen gehorchen – es sei denn, sie widersprechen Gesetz Nummer eins.
3.  Ein Roboter muss seine eigene Existenz sichern – es sei denn, dies widerspricht den Gesetzen eins und zwei.

Wer das beherrscht, hat praktisch schon das halbe Technikstudium in der Tasche.

Thomas Saum-Aldehoff

Quelle: Spanish Foundation for Science and Technology via EurekAlert
Orginalartikel: Francisca Petit Pérez, Jordi Solbes Matarredona: La cienca ficción y la Ensenanza de las Ciencias, 30/2, 2012, 69–86
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