Was sich liebt, das ahmt sich nach

26. Juli 2016
 

Menschen, die uns nahestehen, beeinflussen auch ganz oberflächlich unser Verhalten: Laut einer aktuellen Studie passen wir unsere Gesten und unsere Mimik unbewusst der unseres Partners an.

Wenn unser Liebster beim gemeinsamen Joggen stolpert und sich verletzt, leidet nicht nur er. Ohne darüber nachzudenken, machen auch wir ein schmerzverzerrtes Gesicht. Dabei haben nicht wir uns wehgetan, sondern unser Partner. Vor allem in engen Beziehungen verschwimmen oft die Grenzen zwischen uns selbst und dem anderen. Schon länger ist Forschern bekannt, dass Paare sich im Denken und Fühlen beeinflussen. Doch auch Gestik und Mimik gleichen sich in Partnerschaften offenbar an.

Die Psychologen Lara Maister und Manos Tsakiris von der University of London haben herausgefunden: Menschen imitieren die Gesten von Liebespartnern intensiver als die von anderen Freunden. In einem Experiment zeigten die Forscher 21 Studenten Bilder, auf denen ihr Partner oder ein anderer Freund den Mund öffnete. Zeitgleich sollten die Versuchspersonen ihren Mund entweder auch aufmachen oder schließen.

Ängstlich Gebundene imitieren den Partner entschlossener

Gemessen wurde, wie schnell die Studenten auf die Aufforderung reagierten. Die Probanden imitierten ihren eigenen Partner schneller als platonische Freunde und hatten Probleme damit, einer Anweisung zu folgen, die nicht seinem Verhalten entsprach. Außerdem machten Studenten, die ängstlich gebunden waren, ihren Lebensgefährten entschlossener nach als jene, bei denen ein sicherer Bindungsstil festgestellt worden war.

Die Autoren erkennen darin eine Strategie der Partner, die fürchten, verlassen zu werden, und deswegen stärker Nähe suchen. Indem sie Gestik oder Mimik ihres Liebsten imitieren, stellen sie größere Gemeinsamkeiten her. Das könnte sogar zielführend sein: Wie frühere Studien gezeigt haben, mögen wir Menschen, die uns nachahmen, mehr.

KATINKA REINER/ EMT

Lara Maister, Manos Tsakiris: Intimate imitation: Automatic motor imitation in romantic relationships. Cognition, 152, 2016, 108–113. DOI: 10.1016/j.cognition.2016.03.018 (Abstract)

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 08/2016 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Die Harmonie-Lüge". Weitere Meldungen zu interessanten aktuellen Studien finden Sie im Heft unter anderem in den Rubriken Themen & Trends sowie Körper & Seele.

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