Was uns nicht umbringt, macht uns stärker

08. November 2010
 

Negativen Lebensereignissen kann man meist nicht aus dem Weg gehen. „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker!“, reden wir uns dann ein und versuchen, irgendwie damit klarzukommen. Psychologen aus den USA haben den Mutmachspruch jetzt bestätigt: Menschen wachsen tatsächlich an widrigen Umständen – und sie legen nach einer gewissen Zahl an Zumutungen in ihrem Leben sogar ein besseres Wohlbefinden an den Tag, als wenn ihnen jegliche Schicksalsprüfungen erspart bleiben.

Bisherige Studien hatten gezeigt, dass schwierige Ereignisse dem Wohlbefinden und der psychischen Gesundheit eher schaden. Die Forscher gingen davon aus: Je weniger Widrigkeiten, desto besser. Doch eine Untersuchung von Mark Seery von der University at Buffalo und Kolleginnen von der University of California in Irvine legt nun nahe, dass negative Lebensereignisse unsere Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit stärken – und damit gut für unsere psychische Gesundheit sind.

In ihrer Studie werteten die Forscher Daten von 2398 Personen aus, die sie in den Jahren 2001 bis 2004 wiederholt befragt hatten. Die Teilnehmer gaben neben Berichten über negative Ereignisse in ihrem Leben auch Informationen zu ihrer generellen Lebenszufriedenheit preis sowie zu ihrem Stressempfinden, posttraumatischen Belastungssymptomen und zu ihrer Funktionstüchtigkeit im Alltag.

Wie sich herausstellte, kommt es offensichtlich auf die Anzahl der erlebten Widrigkeiten an: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine gewisse Zahl an negativen Lebensereignissen – verglichen mit überhaupt keinen oder zu vielen – mit einem geringeren allgemeinen Stressniveau einhergeht, genauso wie mit einer besseren Funktionstüchtigkeit im Alltag, weniger posttraumatischen Belastungssymptomen und einer höheren Lebenszufriedenheit“, erklärt Seery. Die in Maßen leidgeprüften Teilnehmer fühlten sich auch weniger von kürzlich vorgefallenen Schicksalsschlägen beeinträchtigt als die verschonten und die stark betroffenen Probanden.

Die Daten stützen die Annahme, dass eine moderate Zahl von negativen Lebensereignissen die psychische Widerstandsfähigkeit, die sogenannte Resilienz stärkt. „Wir haben zwar nur massivere Vorkommnisse untersucht, nehmen aber an, dass auch andere, eher alltägliche Unannehmlichkeiten die Widerstandsfähigkeit erhöht.“

Von Anke Römer Quelle: EurekAlert

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