Wenn der Job den Schlaf raubt

12. August 2016
 

Manchmal verfolgt einen die Arbeit bis in die Nacht hinein. Dann spuken einem all die unerledigten Aufgaben und die kleinen und großen Bürokämpfe im Kopf herum und stören die Nachtruhe.

In einer großen Studie mit mehr als 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben norwegische Forscher des National Institute of Occupational Health in Oslo jetzt vier Sorten von Arbeitsproblemen ausfindig gemacht, die den Betroffenen häufig den Schlaf raubten – und zwar sowohl unmittelbar als auch längerfristig, wie eine Nachbefragung zwei Jahre später zeigte.(1)

Der erste Schlafdieb war die schiere Menge der anfallenden Arbeit, die beim besten Willen nicht zu bewältigen war. Schlecht für den Schlummer war zweitens, wenn den Beschäftigten in der Firma wenig Autonomie gewährt und ihnen alles vorgeschrieben wurde. Drittens störten Rollenkonflikte die Nachtruhe, etwa wenn die Erwartungen und Aufgaben nicht mit den persönlichen Neigungen und Wertvorstellungen harmonierten. Und viertens machte den Arbeitnehmern mangelnde handwerkliche und emotionale Unterstützung durch die Vorgesetzten zu schaffen. Alle vier Belastungsfaktoren sind alles andere als unvermeidlich, meint Studienautor Jolien Vleeshouwers und mahnt Präventionsprogramme in den Unternehmen an.

Es kommt aber auch darauf an, wie man als Beschäftigter selbst mit dem Arbeitsstress umgeht.(2) Wenn man schon bis ins Wochenende hinein über die Arbeit nachdenken muss, dann sollte man dies lösungsorientiert tun – so die Erkenntnis aus einer Tagebuchstudie mit 59 Arbeitnehmern an den Universitäten Trier und Hagen. Die Frauen und Männer wurden immer freitagnachmittags gefragt, wie stressig die Arbeitswoche war. Und immer montagmorgens sollten sie notieren, wie gut oder schlecht sie am Wochenende geschlafen und wie viel und auf welche Weise sie gegrübelt hatten.

Christine Syrek und ihre Kollegen stellten fest: „Unerledigtes führt zu schlaflosen Nächten – denn gedanklich lässt es uns auch in der Freizeit nicht los.“ Das Übel wurde noch schlimmer, wenn die Betreffenden ihre Sorgen in einer Endlosschleife immer wieder durchkauten. Günstiger war es, wenn die Probanden „problemlösend“ über die anstehenden Dinge nachdachten: „Wenn ich am Montag ins Büro komme, dann mache ich erst dieses und dann jenes. Und mit dem Kollegen Schulze werde ich Folgendes vereinbaren …“ Wer sich einen solchen Plan zurechtgelegt hat, kann dann gedanklich eher loslassen – und das ist die Voraussetzung für guten Schlaf.

Thomas Saum-Aldehoff

Die zitierten Studien:
(1) DOI: 10.5665/sleep.5638
(2) DOI: 10.1037/ocp0000031


Diese und viele weitere Nachrichten aus der psychologischen Forschung finden Sie im neuen Septemberheft von Psychologie Heute in den Rubriken Themen & Trends sowie Körper & Seele.

 

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