Wenn im Feriencamp Feinde zu Freunden werden

12. September 2014
 

Gemeinsame Ferienlager für Teenager sind tatsächlich ein geeignetes Mittel, Feindbilder zwischen Kulturen, Nationen oder Religionen abzubauen. Das meinen Jane Risen von der University of Chicago Booth School of Business und ihre Doktorandin Juliana Schroeder. Sie beobachteten: Sobald Jugendliche sich mit einem Mitglied der „Feindesgruppe“ anfreunden, kann das die langfristige Haltung gegenüber der ganzen Gruppe beeinflussen.

Risen und Schroeder führten Forschungsarbeiten zum Friedensförderungsprogramm Seeds of Peace durch, das als eines der größten Programme dieser Art jedes Jahr drei Wochen lang Teenager aus Konfliktregionen – darunter auch Israelis und Palästinenser – im ländlichen US-Staat Maine zusammenbringt. Die beiden Forscherinnen haben drei Jahre lang mit drei getrennten Altersgruppen von Campern die Gefühle und Einstellungen gegenüber der jeweils anderen nationalen Gruppe verfolgt.

Sie befragten die Jugendlichen sowohl vor als auch nach dem Camp zu ihrer Einstellung gegenüber der anderen Seite. Eine dritte Befragung erfolgte dann neun Monate nach deren Rückkehr in ihre Heimatländer.

Risen und Schroeder stellten fest, dass die Freundschaften, die sich im Camp entwickelt hatten, eine tiefe Wirkung entfalteten. Camper, die eine enge Beziehung zu jemandem von der „anderen Seite“ aufgebaut hatten (etwa ein Palästinenser, der mit einem jüdischen Israeli Freundschaft schloss), entwickelten insgesamt positivere Gefühle gegenüber sämtlichen Mitgliedern dieser Gruppe. Diese Gefühle hatten meist auch nach ihrer Rückkehr in die Heimat noch Bestand.

„Nahezu jeder Camper hatte am letzten Tag des Camps eine positivere Einstellung als am ersten Tag“, erklärt Risen. „Natürlich verblassen die positiven Emotionen, die sie während der Zeit fern der Heimat entwickelt haben, sobald die Teenager wieder nach Hause kommen – doch die meisten legten auch viele Monate nach der Rückkehr weiterhin positivere Gefühle gegenüber der Außengruppe an den Tag als vor ihrer Teilnahme an dem Programm.“ Als besonders wirksam erwiesen sich Freundschaften, die auch nach dem Ende des Camps noch aufrechterhalten wurden.

Zum Erfolg des Camps trägt unter anderem bei, dass die Jugendlichen aus ihrem Zuhause in eine neutrale Umgebung geholt werden, die es ihnen ermöglicht, dem Druck von Familie und Gesellschaft zu entrinnen. Dieser Ortswechsel bietet ihnen außerdem die Gelegenheit, neue und andere Arten von Freundschaft zu knüpfen. Wie Schroeder und Risen zeigen, sind diese Freundschaften offenbar der Schlüssel zu besseren Beziehungen zwischen den beiden Gruppen.

„Als Seeds of Peace begann, lautete der Ratschlag des Gründers an die Camper, dass sie mit einer Person Freundschaft schließen sollten“, so Risen. „Doch angesichts der Ergebnisse unserer Arbeit würden wir diesen Ratschlag leicht verändern: Freundschaft mit einer Person schließen und diese Freundschaft aufrechterhalten.“

Janes Risens und Juliana Schroeders Arbeit Befriending the enemy: Outgroup friendship longitudinally predicts intergroup attitudes in a co-existence program for Israelis and Palestinians wurde kürzlich in der Zeitschrift Group Processes and Intergroup Relations veröffentlicht.
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