Will er mir wohl oder wehe?

29. August 2014
 

Zustimmung oder Ablehnung sind für das menschliche Zusammenleben essenziell – diese Haltungen bestimmen, ob eine zwischenmenschliche Begegnung auf Kooperation oder auf Konflikt gepolt ist.

Zustimmung und Ablehnung können wir auch ohne ausdrückliche Worte ziemlich klar ausdrücken: Geballte Fäuste, gerunzelte Stirn, scharfer Tonfall – Ablehnung kann auch dann offensichtlich sein, wenn wir gar nicht mitbekommen, über was da gerade gesprochen wird. Dass dafür schon kleine, subtile Signale ausreichen, zeigt jetzt eine Studie der Webster Vienna Private University in Zusammenarbeit mit der Delft University of Technology und dem Swiss Center for Affective Sciences in Genf.

Der Psychologieprofessor Marc Méhu und seine Mitforscher demonstrierten, dass Menschen allein anhand von einfachen Bewegungen und Lauten einen Unterschied zwischen Zustimmung und Ablehnung erkennen können. Wesentlich dafür ist die Einschätzung der „sozio-emotionalen Charakteristik“ des Sprechers, also zum Beispiel, ob jemand aufgeregt oder dominant erscheint. Bestimmte Handbewegungen oder eine charakteristische Tonhöhe beim Sprechen reichen aus, um feststellen zu können, ob der Akteur seinem Gegenüber positiv oder negativ eingestellt ist.

Die Versucher reduzierten Videoaufzeichnungen von politischen Diskussionen auf wenige verschwommene visuelle und akustische Signale, sodass die Bedeutung der Worte nicht mehr verständlich war. 80 Studienteilnehmer schauten sich diese modifizierten Videos an und schätzten anschließend ein, ob die gezeigten Personen zustimmende oder ablehnende Aussagen getroffen hatten.

„Wir waren überrascht, wie gut es den Studienteilnehmern gelang, ablehnende Aussagen ausschließlich durch Bewegungen und Stimmlagen zu erkennen“, erläutert Méhu. Wichtig für diese Einschätzung waren insbesondere vertikale Bewegungen der Politiker – vor allem dann, wenn diese Bewegungen schnell erfolgten. Zum Beispiel signalisierte eine rasche Bewegung des Oberkörpers oder der Hand in Richtung des Gesprächspartners Ablehnung. Méhus Erklärung: „Ethologisch betrachtet erwarten wir von raschen, vertikalen Bewegungen einen Angriff  – also Gefahr, Konflikt und Abneigung.“

Die stummen Bilder allein waren allerdings nicht ausreichend, um eindeutig zwischen positiver und negativer Einstellung zu differenzieren. Erst die Kombination mit den reduzierten akustischen Signalen erlaubte dies.

Große Bedeutung wurde in der Studie dem Einfluss der „sozio-emotionalen Charakteristik“ beigemessen. Darunter verstehen die Forscher etwa Temperament und Gemütszustände der jeweiligen Sprecher. Die Studie zeigt, dass der Eindruck von Zustimmung und Ablehnung stark durch die wahrgenommene Charakteristik des Sprechenden beeinflusst wird. Zum Beispiel wurden Politiker, die im Disput häufig die besagten raschen, vertikalen Bewegungen einsetzten, als dominant empfunden – und ihre Einstellung wurde demzufolge eher als ablehnend interpretiert.

M. Mehu, L. J. P. van der Maaten: Multimodal integration of dynamic audio-visual cues in the communication of agreement and disagreement. Journal of Nonverbal Behavior, 2014. DOI: 10.1007/s10919-014-0192-2
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